Album: „Puwawau“ von Chantal Acda

Video: „Tumanako“ von Chantal Acda

Chantal Acda ist eine belgische Singer/Songwriterin. Jahrelang sang und spielte sie sich durch diverse, kurzlebige Bandformationen, bevor sie mit „Let your hands be by guide“ (2013) ihr Debutalbum unter eigenem Namen vorlegte. Nach zwei weiteren Alben, an denen man eine beeindruckende musikalische Entwicklung ablesen konnte, erschien nun „Puwawau“ (2019), ihre vermutlich experimentellste Veröffentlichung.

Das Album wurde produziert von Eric Thielemanns und Acda selbst. Aufgenommen wurde in Antwerpen, Utrecht und Ghent. Zum Einsatz kommt ein dreizehnköpfiges Ensemble aus Sängern und Instrumentalisten, die außergewöhnlichen Arrangements stammen von Valgeir Sigurdsson (Björk, Feist) und Chantal Acda.

„I researched 6 different subjects connected to the human voices and as a result wrote 6 pieces of music. These were translated into music performance.“ (Chantal Acda)

Herausgekommen sind sechs umfangreiche Stimm- und Klangstudien, die jeweils bekannte musikstilistische Grenzen überschreiten, aber an keiner Stelle willkürlich zusammengestellt wirken. Die vielfältigen Farben und Klanglandschaften erinnern an nordeuropäische Folklore, zeitgenössische Kunstmusik, moderne Chorsätze, experimentelle Rockmusik. Menschliche Stimmen und insbesondere die Stimme der Hauptakteurin Chantal Acda stehen bei allen sechs Studien erkennbar im Vordergrund.

Der Albumtitel stammt aus dem Maori, der Sprache der indigenen Bevölkerung Neuseelands, und bedeutet „Hearing spirit voices under the water, reflective and instinctive“. Das Album selbst eine Kontakt- und Verbindungsaufnahme mit der eigenen Stimme und der anderer.

Als Hörer sollte man die Bereitschaft mitbringen sich auf neue Ausdrucksformen einlassen zu wollen. Dies und etwas Neugier und Abenteuerlust vorausgesetzt, wird man mit einer beeindruckenden, facettenreichen Klangwelt belohnt. Wer mehr erfahren will, sollte zu einem der angesetzten Konzerttermine gehen. Hier ist das Publikum nicht nur passive Zuhörerschaft, sondern wesentlicher Bestandteil der Klangperformance. Tourtermine sind auf der Künstlerseite zu finden.

Noten: „Acoustic Pop Guitar Solos 4“ von Michael Langer

In seiner neuesten Publikation „Acoustic Pop Guitar Solos 4“ vom April 2019 zeigt sich Michael Langer ein weiteres Mal von seiner allerbesten Seite. Nach Band 1 & 2 (2011) und Band 3 (2015) der Reihe gibt es auch diesmal wieder weitere „20 Top-Songs“ und das ist, so platt es als Slogan auch klingen mag, in diesem Fall tatsächlich keine Übertreibung. Michael Langer hat für die Zusammenstellung viele Popsongs der letzten Jahre und einige Popklassiker der letzten Jahrzehnte ausgewählt und beweist dabei ein gutes Händchen für Material, das auch noch in einer Soloversion für Gitarre gut spielbar ist und klanglich überzeugt. Weiterlesen

Foto: Impressionen vom 35. Jazzfestival, Würzburg (2019)

Am Wochenende fand im Stadtteilzentrum Grombühl in Würzburg das 35. Jazzfestival der Jazzinitiative statt. Sa und So waren ab 19.00 jeweils drei Jazzbands zu hören. Hier ein paar Impressionen:

Musikalisch eröffnet wurde das Festival von einem jungen Jazzquartett (Axis?) um die charismatische Sängerin Sarah Buchner. Sie übersetzten psychodelische Songs von Jimi Hendrix in die Sprache des modernen Jazz und das machten sie und ihre musikalischen Mitstreiter experimentierfreudig, facettenreich und sehr überzeugend. Dabei waren Sebastian Wagner (sax), Max Arsava (piano) und Jonas Sorgenfrei (drums), die Namen sollte man sich merken. Es folgten die etwas angestaubte Veteranenband Nighthawks, die einen Querschnitt durch ihr musikalisches Werk seit 2001 präsentierten. Schon okay, aber mit flächigen Playbacks vom Laptop und langatmigen modalen Klangfeldern auch einigermaßen antiquiert. Eine musikalische Entwicklung bis in die Jetztzeit war dem Konzert jedenfalls nicht zu entnehmen, Sounds der 90er und 00er Jahre.

Nighthawks

Der Samstagabend wurde beschlossen vom Leo Betzl Trio. Technojazz, hart, voller Spielfreude und überzeugend. Interessante Präsentationsform auch, weil keine Ansagen, keine Pausen zwischen den Stücken, nur szenischer Applaus. Dadurch war das 60-minütige Konzert wie ein morphender Dauertrack, der den Zuhörer in eine lang anhaltende Trance beamte. Cool.

Leo Betzl Trio

Der Sonntag startete mit Leléka, einem ukrainisch-polnisch-deutschem Quartett aus der Bundeshauptstadt. Namensgeberin Viktoria Leléka sehr überzeugend am Gesang.
Es folgte die Wolfgang Lackerschmid Connection, gut abgehangener und erfahrungsgesättigter, deutscher Vibraphonjazz in Quartettbesetzung. Viele Eigenkompositionen, ausbalancierter Sound, routinierte Arrangements, herausragende Musiker, sehr solide, fast klassisch, macht Spaß.

Wolfgang Lackerschmid Connection

Zum Abschluss mit Jazzkantine ein erfolgreiches Kollektiv der 1990er. Großer Auftritt, aber leider ist die Formation in den 90ern stehen geblieben. Alte Songs in alten Arrangements mit alter Attitüde. Die Band wirkte wie ein Coverband von sich selbst, die Performance wie die einer gut eingespielten Musicalbegleitband. Bei der Hip Hop / Jazz Combi fehlten ausgerechnet die konstituierenden Elemente Freestyle (Rap), DJ (Vinyl) und echte Impro (Jazz). Zu viel Routine, zu wenig Realness, da helfen auch keine einheitlichen Adidas-Sneaker.

Jazzkantine

Buch: „Das Mantra gegen die Angst“ von Helge Timmerberg

Der deutsche Hippiereisejournalist Helge Timmerberg ist inzwischen auch nicht mehr der Jüngste, geht stramm auf die siebzig zu, wird aber anscheinend nicht müde. Allein in den letzten Jahren veröffentlichte er fast jedes Jahr ein anderes Buch. Mehr und mehr erzählt der Märchenonkel Helge von sich und seinem Leben, die Kulissen sind freilich jedes Mal andere. Allerdings ist er immer noch ein guter Erzähler, es dreht sich zwar immer und jedes Mal um ihn und seine Sicht auf die Dinge, aber langweilig wird es selten. Er hat sich inzwischen darauf verlegt seine Anekdoten, Stories, Fabeln etc., ähnlich wie bei klassischen Erzählungen (1001 Nacht, Decamerone) in eine hübsche Rahmenhandlung einzubetten. So war das bei „Die Märchentante…“, so ist es auch wieder in „Das Mantra gegen die Angst“. Weiterlesen

Notationssoftware: Finale v26 (2018)

Seit Ende 2018 ist die neueste Version der Notationssoftware Finale (v26) für Windows und Mac erschienen (Vertrieb: klemm-music.de). Finale-Anwender können sich mittlerweile anscheinend auf einen zweijährigen Versionszyklus einstellen. Nach der Systemumstellung 2013 erschienen neue Versionen in den Jahren 2014, 2016 (v25) und eben 2018 (v26). In der neuesten Version wurde das Erscheinungsbild aktualisiert und viele Kleinigkeiten verbessert. Die Verbesserungen betreffen Artikulationen, Hyperlinks, MusicXML, Plug-ins, SmartMusic, insgesamt eher was für eingearbeitet Spezialisten. Eine zusammenfassende Liste findet sich hier. Weiterlesen