Über Popmusik der 1990er

„Kurt Cobain hatte sich umgebracht, und Guns N’Roses waren auf ihrer irrwitzigen Welttournee im Wahnsinn angekommen, während im Radio eigentlich nur noch Mist lief. Es war zum verzweifeln, denn wir waren ja schon mal weiter, musikalisch gesehen, aber irgendwann war alles nur noch Kirmes-Techno, und die Revolution wurde frühzeitig wegen mangelnder Erfolgsaussichten abgebrochen.“

Aus: „Als wir für immer jung waren“ (2017) von Matthias Kalle

4 Gedanken zu “Über Popmusik der 1990er

  1. „… Guns N’Roses waren auf ihrer irrwitzigen Welttournee im Wahnsinn angekommen…“

    Ist das plakativ oder ist das wörtlich gemeint?

    … während im Radio eigentlich nur Mist lief.“

    Das mit dem Mist im Radio der 90er Jahre ist irgendwie verrückt. Gefühlt war das in den 90er so, da es entweder Boybands, Elektro oder schlechter Hip Hop war, der durch die Büchse donnerte. Wenn ich heute in der Stadt unterwegs bin, sehe ich aber haufenweise Werbung für 90er Jahre Parties.

    Ist das jetzt wie bei Trash Filmen (SchleFaZ), die man sich bewusst ansieht und über die mindere Qualität lacht, oder ist es rückblickend gesehen gar nicht so miese Musik gewesen?

    Wenn man durch die 90 er streift und mal das Backstreet Boys, Take That Boyband allerlei ausblendet, die miese Elektro Mucke von Mo Do, DJ Bobo oder Culterbeat vergisst und den Hip Hop von Coolio oder Puff Daddy in der Mottenkiste lässt, dann war da doch auch ganz passable Musik.

    Queen hatte seine letzten Hits, Genesis war eigentlich auf seinem Höhepunkt und z.B. Roxette hat richtigen guten Pop gemacht.

  2. Wie soll man Musik überhaupt beurteilen?Nach welchen Kriterien?

    Ich höre mein Sammlungen kaum mehr an, weil ich Angst habe, da auf Unverdauliches zu stossen. Wenigstens ab und zu wäre das sicher der Fall!
    Das Meiste, was ich heute als ganz neuen Output auf mehreren „Kanälen“, die ich im Netz frequentiere, zu hören kriege, ist mir nicht spannend genug.
    Unlängst hörte ich Joan Baez „Rejoice in the sun“ aus den frühen Siebzigern, das gefiel mir sehr, weil es gekoppelt war und ist mit einer wichtigen Botschaft!!
    Aber ein ganzes Album – ich weiß nicht.
    Alben müssten FÜR MICH heterogen aufgebaut sein, so „eklektisch“ wie nur möglich.

    Im Grunde reitet man sich mit seiner Musikpassion über die Jahre hinweg in eine ganz einsame Ecke, die man mit kaum jemandem teilt.
    Ist es nicht so?

  3. Und wieder ein Bezug auf Simon: Ich finde den Gedanken zu den 90er Parties sehr interessant. Mal ein wenig um die Ecke gedacht: Waren die 70er eigentlich wirklich so geil, oder dachten wir/ich das nur, weil früher überall 70er Parties zu finden waren? Gab es nicht auch da einen Haufen mieser Musik?
    Ein anderer Gedanke: Kann es sein, dass wir retrospektiv Musik besser finden, weil sie uns bekannt ist? Die etwas provokante These: Uns gefällt, was vertraut ist, was wir wiedererkennen. Das löst in uns so ein leicht heimeliges Gefühl aus, an das sich dann auch noch (hoffentlich gute) Erinnerungen anhängen. Der Gedanke geht in Richtung des alten (norddeutschen?) Sprichworts: Was der Bauer nicht kennt, (fr)isst er nicht.
    Noch ein Ecke radikaler: Waren Beethoven oder Mozart eigentlich wirklich so gut? Oder glauben wir das nur, weil wir von klein an immer wieder mit ihnen konfrontiert werden. Einige besorgte Eltern sollen ihre noch nicht Geborenen ja schon während der Schwangerschaft mit klassischer Musik verwöhnen, damit ihr Kind danach besonders schlau werde. Dann beschäftigen sich gefühlte 97,5 % des Musikunterrichts mit den großen Komponisten – wir zumindest sind niemals bei Elvis oder gar Hendrix angekommen. Von Queen ganz zu schweigen. Und weiter gehts auch als Erwachsener, dürfen doch die großen Meister in keiner Spielzeit der Theater und Opernhäuser fehlen und ist man nicht erst mit Erwerb des Spielzeit-Abos Teil des kulturellen Establishments? Und auch hier: Ihre Klänge sind uns vertraut. Wenn wir Klassik hören, hat diese Musik einen enormen Wiedererkennungswert, hat also das Potential, dieses Gefühl von Geborgenheit zu induzieren.
    Wenn also Musik so subjektiv ist (vielleicht sogar von der Tagesform abhängend), wie also ein Urteil bilden? Vor Allem rückblickend? @Dennis: Vielleicht sollte sich ein Laie wie ich doch mal mir deinr DrA auseinander setzen ;-)

    • Musik hat auch was sozial verbindendes. Wenns meine Gruppe gut findet, dann ich auch. Ist die Gruppe weg, ist die Musik vielleicht schal oder nichtssagend.

      Meine Partnerin meinte unlängst zu einem Musikstück: Das sind ganz einfache Akkorde, nix besonderes. Vielen fällt es nicht auf.die sind in einer Art Trance, wo das nicht augenfällig wird.

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