Buch: „Ohne Glück kein Erfolg“ von Robert H. Frank

Die meisten Menschen im vorangeschrittenen Alter stellen sich bei einem Rückblick auf zurückliegende Wendungen im eigenen Leben hin und wieder die Fragen wie ist es dazu gekommen und was wäre gewesen wenn bzw. wenn nicht. Das gilt nicht nur für den privaten Bereich, auch die berufliche Entwicklung und persönlicher Erfolg hängen oftmals von lächerlichen Zufällen ab, wären ohne günstige, aber meist völlig ungeplante Begegnungen und Begebenheiten total anders verlaufen oder hätten vielleicht gar nicht stattgefunden. Obwohl vermutlich jeder Mensch dazu Beispiele aus seiner eigenen Biografie aufzählen könnte, wird nach außen hin gerne so getan als gründe jeglicher berufliche Erfolg allein auf eigenen Fleiß und Leistungsbereitschaft. In seinem aktuellen Buch „Ohne Glück kein Erfolg“ geht der renommierte US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Robert H. Frank der Frage nach, welche Rolle der Zufall im beruflichen Leben in der Leistungsgesellschaft spielt.

Wie sehr der Zufall die Existenz bestimmt, erklärt Frank mit einer dramatischen Geschichte aus seinem eigenen Leben. Vor zehn Jahren erlag er während eines lockeren Tennismatchs völlig unerwartet einen akuten Herztod. Weil in so einem Fall sehr schnell medizinisch eingegriffen werden muss, aber die Tennishalle sich abseits vom Stadtzentrum befand, standen seine Überlebenschancen denkbar schlecht. Aber durch einen unwahrscheinlichen Zufall, hatte es in der Nähe einen Verkehrsunfall gegeben, bei dem zwei Krankenwagen angefahren waren, aber nur einer gebraucht wurde. Der übrige Wagen war nach dem Notruf aus dem Tenniscenter innerhalb von Sekunden bei Frank und er wurde erfolgreich wiederbelebt. Frank berichtet anschließend von etlichen weiteren, weniger dramatischen, aber trotzdem alles entscheidenden Punkten seiner beruflichen Karriere. Dabei waren jeweils nicht Noten, Zeugnisse oder Praktikanachweise wichtig, sondern zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die richtigen Menschen in der richtigen Gemütslage anzutreffen. Da diese unvoraussagbaren Entwicklungen mehr oder weniger für alle Karrieren bzw. für beruflichen Erfolg im allgemeinen gelten, geht er dem Phänomen aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht nach.

Eine erste Einsicht ist, dass es für herausragende Positionen meist viele, hoch qualifizierte Bewerber zur Auswahl stehen. Ausbildung und Leistungsstand der Aspiranten sind mit leichten Varianten vergleichbar, fast nie ragen auf hohem Niveau noch Einzelne aus der Masse heraus. Es ist für eine Jury schwer bis unmöglich eine sachliche Entscheidung zu treffen und so kommt Zufall oder eben pures Glück ins Spiel: Ansprechende Formulierungen im Anschreiben, vertraute Ausbildungsorte, gemeinsame Kollegen im CV, sympathisches und humorvolles Auftreten beim Bewerbungsgespräch. Am Ende steht man auf der Warteliste und einer der anderen Auserwählten tritt aus irgendeinem Grund zurück und man rückt unerwartet nach. So oder so ähnlich ist es bestimmt schon vielen ergangen, auch wenn danach von allen Beteiligten die Transparenz, Fairness und Sachlichkeit des Verfahrens betont wird.

Frank geht bei seiner unterhaltsamen Betrachtung vielen Fragen nach. Besonders fasziniert ihn nicht allein dass der Zufall erwartungsgemäß eine riesige Rolle spielt, sondern warum Menschen diesen Umstand öffentlich klein reden oder gar leugnen. Es liegt anscheinend daran, dass Menschen Erfolge gerne ihren persönlichen Fähigkeiten oder dem eigenen Arbeitseinsatz zumessen. Geht etwas schief oder läuft es nicht so gut wie geplant, wird die Schuld dagegen bei anderen gesucht oder unglücklichen Umständen zugeschrieben.

Seine Betrachtungen sind detailreich und werden mit viel Lebenserfahrung, Altersweisheit und nichts zuletzt wissenschaftlichen Studien belegt. Die grundlegende Erkenntnis daraus ist: Man braucht gute äußere Voraussetzungen, zudem Fleiß und Leistungsbereitschaft und für herausragende Entwicklungen in seiner Karriere doch immer wieder einen günstigen Zufall, die glückliche Fügung, die alles richtet. Idealerweise muss man sich als strebsamer Karrierist vormachen, dass Fleiß und Leistungsbereitschaft alleinentscheidend dafür sind, die eigenen Chance zu optimieren, sollte im nachhinein aber auch demütig und dankbar sein, wenn glückliche Umstände, die man nicht beeinflussen konnte, sich als hilfreich und zweckdienlich erwiesen.

So interessant die Ausführungen von Frank sind, so gibt es doch den einen kleinen Wehrmutstropfen, dass er abgesehen von der kurzen persönlichen Anekdote am Anfang das Phänomen ‚Erfolg‘ lediglich über die berufliche Position innerhalb einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft definiert. Ausnahmslos versteht er darunter das westliche Ideal einer Führungsaufgabe mit Macht, Verantwortung und einem üppigen Salär am besten innerhalb einer gesellschaftlich anerkannten Institution. Dass es, jenseits von Reichtum und Macht, auch andere Definitionen von Erfolg geben könnte (Zufriedenheit, Selbstbestimmtheit, Sorglosigkeit, Freiheit, Elternschaft, Erfahrungen, Erfindungsreichtum, Kreativität etc.) und diese womöglich gar nicht so sehr mit äußeren Lebensumständen, sondern mit einem inneren Seelenzustand zu tun haben, wird an keiner Stelle thematisiert. Frank betrachtet das Konzept Erfolg ausschließlich aus dem Blickwinkel des Wirtschaftswissenschaftlers, Verdienst und Status sind dabei die alles entscheidenden Faktoren.

Musikern, Musikwissenschaftlern & Komponisten sei an dieser Stelle der lesenswerte Essay „Success is just another form of failure“ von Kyle Gann empfohlen.

Menschen, die sich von der Lektüre des Buches entscheidende Impulse für die eigene Karriereplanung versprechen, werden vermutlich enttäuscht sein. Menschen, die ihrem Glück auf die Sprünge helfen wollen, wohl ebenso. Der nach seinen eigenen Maßstäben durchaus erfolgreiche Autor belegt zwar die These, dass es ohne Glück keinen Erfolg gibt, vergisst aber leider im Verlauf des kompletten Textes zu erwähnen, dass beruflicher Erfolg noch lange keine Garantie für persönliches Glück darstellt.

Das Taschenbuch erscheint im dtv Verlag, hat 224 Seiten und kostet 20 Euro.

Hier ein Vortrag des Autors Robert H. Frank zu zum Thema bei LSE Events. Kürzer und für manchen evtl. eindrücklicher als das Buch.

22 Gedanken zu “Buch: „Ohne Glück kein Erfolg“ von Robert H. Frank

  1. zum Thema Glück passt ja auch das Denken um die Bildung fürs Kind, Abi um jeden Preis ?! zu diesem Thema war gerade ein Artikel in der ZEIT, mir wird immer mulmig, wenn ich höre, dass der Nachbar mit seinem 2tklässer jeden Tag lernt, wenn das da schon notwendig ist, um bestimmte Ziele zu erreichen – frag ich mich wessen Ziele…

    • Fleiß & Leistungsbereitschaft sind eben die Grundvoraussetzung, erst danach kann sich die glückliche Gelegenheit ergeben.

      Und was das andere angeht: Es ist schwer die eigenen Kinder in der Schule nicht zu unterstützen, wenn‘s klemmt. Das Problem liegt auch nicht an der fehlenden Leistungsbereitschaft der Kinder oder Eltern, ganz im Gegenteil. Das ganze (bayerische) Schulsystem ist todkrank. Wenn wie bei deinem Beispiel ein normales Kind in der Regelschule schon in der zweiten Klasse regelmäßige Unterstützung braucht, liegt es ganz sicher nicht am Kind, sondern ganz klar an den maßlosen Anforderungen. Da könnte ich als Vater von vier Kindern gerne ins Detail gehen, will ich an dieser Stelle aber nicht.

      Immerhin musste jetzt endlich mal einer der gewissenlosen Vollversagern gehen, die diese Scheisse verantworten. Ich bezweifle aber, ob was besseres nachkommt.

    • Das ganze Büffeln geht doch daran vorbei, daß JEDES Kind seine z. Teil schwierige Lebensgeschichte hat.

      Ein Mitschüler meiner Klasse brachte sich um. Der Vater fragte sich und die Klassenmitglieder beim Begräbnis: Warum?
      Es gab keine Antwort.

  2. Kennst du das Kind?
    Ist es normal?
    Was ist normal?
    Ist das System normal?
    Was ist deine Alternative?
    Da gäbe es eine Menge Diskussionsstoff und sicher nie eine Einigung, schon nicht bei zwei oder schon gar nicht im Lande – ja leider.

    …da das System hat ist es leider nur einer von 16.
    und es (das System) unterliegt leider, der im Buch beschriebenen leistungsorientierten Sichtweise unserer Gesellschaft und keinesfalls einer kindgerechten, da stimme ich dir zu.
    Aber nun zur Frage der Normalität in dieser unserer Gesellschaft in der wir nun mal leben müssen/dürfen/wollen?!?! gibt es auch ausreichen Interpretationsspielraum aber sie ist auch zentral; wenn ein Kind nicht unserer ja zugegebenermassen willkürlich aufgestellten Norm nicht entspricht gäbe es da in eben diesem System auch andere Wege, die eine Überforderung verhindern kann. Denn ohne Frage benötigt jede Gesellschaftsform einen Maßstab/Norm whatever und diese Selektion nimmt bei uns die Schule vor, darüber lässt sich trefflich streiten oder auch nicht, ebenso über gesund/krank, behindert/nichtbehindert – schließendlich müsste aber das System und die Mauern in den Köpfen – nicht nur der Politiker – sich ändern, um solchen Zuweisungen anders zu begegnen.

    • Alles schön und gut, aber in Deutschland gilt nun mal die allgemeine Schulpflicht. Was soll man als Eltern machen? Ich schicke meine Kinder in die Schule und versuche sie so gut wie möglich zu unterstützen. Ich ärgere mich darüber, wenn sie offensichtlich überfordert sind. Aber wem würde ich denn bitte einen Gefallen tun, wenn ich sie genau dann einfach hängen lasse. Soll ich als Familienvater mit vier Kindern gegen das System kämpfen, mit Lehrern diskutieren, Briefe schreiben und Petitionen einreichen? Sorry, dafür fehlt mir die Zeit. Privatschulen mir alternativen Lehransatz fallen aus Kostengründen leider auch aus. Also was bleibt? Sich irgendwie durchwurschteln halt und versuchen, dass die Brut (und man selbst) nicht komplett unter die Räder kommt.

      Ändern könnten die offensichtlichen Systemfehler unsere gewählten und gut bezahlten Bildungspolitiker. Aber auch Schulleiter und Lehrer könnten einen Beitrag leisten. Tun sie allerdings nach meiner Erfahrung in den seltensten Fällen. Die sehen alle nicht die Kinder, sondern nur sich selbst und ihr Fach und wollten alles, nur keinen Stress innerhalb des Systems.

      Ich versuche meinen Kindern wenigstens in ihrer knapp bemessenen Freizeit andere Perspektiven zu bieten. Jetzt stehen immerhin die Ferien vor der Tür, da kann man vorübergehend etwas Abstand gewinnen.

      Um eine Brücke zurück zum Thema des Artikel zu schlagen: Welche Meinung hast du zum Thema Bildungserfolg und Glück?

  3. Ich wollte mich eigentlich nicht einmischen, aber deine letzte Frage spricht mich an. Bildungserfolg und Glück? Meiner Meinung nach, lässt sich da wieder die Brücke zurück zum Schulsystem schlagen. Ich bin nämlich überzeugt davon, dass Kinder ohne Druck und unter Berücksichtigung der jeweiligen Stärken und Schwächen gefördert, viel leichter Bildung erlangen und auch noch Spaß am Lernen haben könnten. Ich sage bewußt „könnten“, denn die Freude, die Neugier und auch die Vorfreude auf die Schule, wird vielen Kindern durch dann folgendes Schubladendenken und daraus resultierenden Druck wieder genommen. Ich glaube felsenfest, wer mit Freude, Geduld, Zeit und ohne Druck sich selbst entfalten DARF, der wird Bildung und Glück erlangen. Wir haben alle nur ein Leben! Niemand, schon gar nicht die Gesellschaft, hat etwas von einer Generation, die reihenweise an Burn Out, Minderwertigkeitskomplexen oder anderen psychosomatischen Beschwerden leidet. Und Glück, was ist Glück? Ein kurzer, berauschender Moment. Ich glaube, dass eigentliche Glück, liegt in der Zufriedenheit! So, dass war mein Wort zum Donnerstag.

  4. Wunderbar da sind wir alle ja gar nicht auseinander – was wunder – ich kann will und muss Sandra da vollends zustimmen! Aber wer kann und ist Willens dieses System zu ändern??? Und wenn ja dann Wie???????????

    • @Bernhard: Wenn man sich einer Sache sicher sein kann, in diesem „System“, dann ist es immer die Kostenfrage. Irgendwann wird einem auffallen, dass es auf Dauer gesehen wesentlich billiger ist, ein Schulsystem, dass auf Druck und purer Leitung basiert, zu reformieren, als über Jahre hinweg Kinder und Jugendliche mit teueren Medikamenten, Therapeuten, Kuren und anderen „Maßnahmen“ unterstützen zu müssen. „Volkswirtschaftlicher Aspekt“ sozusagen. Es geht ums Geld und es geht immer ums Geld! Das ist traurig und ich denke es wird auch noch Jahre dauern, bis diese „Rechnung“ einmal einer aufmacht! Ob ich das noch erleben werde?

  5. oft sieht es aber leider so aus gell Sandra?
    „Ich habe heute beschlossen mich nicht mehr über Dinge aufzuregen, die ich nicht ändern kann! „

  6. @Dennis vielleicht kommt ja in Deutschland auch die Erkenntnis (evtl mit genügend nachhaltigem Druck aus der Bevölkerung) die Schulpflicht abzuschaffen, dies wäre nach der Abschaffung der Wehpflicht nur ein konsequenter Schritt, den beide haben den gleichen Ursprung. Und passen somit in ihrer totalen Struktur nicht mehr in liberale Staatsgefüge, allerdings wage ich dann zu beschwören, dass viele Dinge dabei noch schlimmer würden, wenn ich da mein eigenes Arbeitsumfeld ansehe. Den Eigenverantwortung ist nicht die Stärke der die Meinungs- und Wahlfreiheit gewohnter Menschen :-(

  7. Also irgendwie driftet die Diskussion hier ab. Im Buch geht es um den Faktor Zufall/Glück im Verlauf von beruflichen Karrieren, von mir aus auch Schule & Ausbildung. Man sollte sich dessen bewusst sein und nicht davon ausgehen, dass für alle die Chance gleich stehen. Im Vergleich zu den meisten anderen Menschen auf dieser Welt sind wir schon deshalb privilegiert, weil wir in einem reichen Land geboren sind, stabile gesellschaftliche Verhältnisse haben und die meisten Grundbedürfnisse gedeckt sind.

    Was das Schulsystem angeht, kann ich jede Kritik verstehen, andererseits gibt es für Betroffene keine kostenneutrale Alternativen zu dieser Verpflichtung. Den Vorschlag die Schulpflicht ganz abzuschaffen halte ich für verantwortungslos und brandgefährlich. Es wäre ein weiteres Beispiel neoliberaler, fast schon libertärer Entwicklung, der Staat würde sich damit komplett aus der Verantwortung stehlen.
    Ich denke, man sollte ganz im Gegenteil, den Staat mehr in die Pflicht nehmen. Kindergarten, Schule und Nachmittagsbetreuung müssen wirklich kostenlos und vorbildlich sein. Immerhin ist unser einziges Kapital in diesem Land Bildung, Ausbildung, Innovation. Mit Stahl, Kohle und Verbrennungsmotoren werden wir jedenfalls nicht mehr lange Exportweltmeister bleiben.

    Ich denke, Sandra hat auch in dem Punkt recht, dass es sowohl pädagogisch, als auch volkswirtschaftlich sinnvoll ist, Kinder und Jugendlich bestmöglich zu fördern. Das Problem ist natürlich, dass darüber Menschen entscheiden, die jeweils nur kurz im Amt sind und daher kaum Interesse an einer langfristig positiven Entwicklung im Bildungsbereich haben, wo sich Veränderungen und Reformen z.T. erst Generationen später auswirken. Es kommt dazu, dass es wohl in keinem anderen Bereich Mitarbeiter gibt, die sich so vehement gegen Veränderungen sträuben wir Lehrer. Das absurde daran ist übrigens, dass insbesondere Lehrer sich privat gerne über das System beschweren und am nächsten Tag genau das machen, was sie am Abend zuvor falsch fanden.

    Umso wichtiger, dass man seinen Kindern neben dem System zusätzliche Entfaltungsmöglichkeiten bietet, wegen der dadurch entstehenden Kosten ist das leider nicht jeder Familie möglich und es werden bereits kleine Kinder massiv benachteiligt. Und da sind wir wieder beim Faktor Glück. Ob man durch die Begünstigung des glücklichen Zufalls am Ende ein glücklicheres Leben hat, dafür hat man keine Garantie, aber die Chance sind natürlich größer, als wenn man nichts macht, das dürfte einigermaßen sicher sein.

    Also lasst uns unseren Kindern ermöglichen, dass sie sich entfalten, sich selbst erkennen und finden. So können wir sie stark machen für die Welt, die da draußen auf sie wartet, das ist so oder so unsere elterliche Pflicht.

    • Nunja ohne allzuviele meiner Kollegen in Schutz nehmen zu wollen, glaube ich diesen verallgemeinernden Zuschreibenden nicht, das sieht aus meiner Insiderposition doch etwas differenzierter und weniger schwarz weiss aus; nebenbei sei angemerkt, dass Lehrer in der Regel verbeamtet sind und qau Status gar nicht anders können als in Regelschulen nach Vorschrift zu handeln, um sich nichstrafbar zu machen und das nicht nur von Vorgesetztenseite aus!!!

  8. Dann zurück zum Thema Glück. Ich glaube auch das ist interpretierbar! Stochastisch berrachtet ohnehin ist halt nur die Frage wie man damit umgeht, wenn man grad nen fiesen Lauf hat oder nen guten vergurgt. Ich glaube der Umgang mit den Gehebenheiten unterscheidet einen Lebenslauf viel mehr als der reine Zufall; als Beispiel seien Lottogewinner genannt oder zufällig Neureiche, die auch nix aus ihrem Leben resp Vermögen machen oder auf der anderen Seite Dauerscheiterer, die am Ende den Nobelpreis holen. Dazwischen liegt ein weites Feld.

    • Man kann alles relativieren und findet immer ein Gegenbeispiel. Prinzipiell haben Menschen aus sicheren familiären Verhältnissen und mit solider Schule, Ausbildung, Beruf aber selbstredend bessere Chancen und Möglichkeiten ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen als andere. Und wenn wir in einem Rechtsstaat leben, in dem die Würde des Menschen unantastbar ist, dann sollte der Staat sich bemühen offenkundigen Benachteiligungen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken und sie nicht noch zu zementieren.

      Bernhard, du hast immer gegen alles und jeden ein relativierendes Gegenargument. Kannst du als Betroffener und Fachmann (Vater & Lehrer) mal konstruktiv skizzieren wie man dem entgegen wirken könnte oder ist das von vornherein aussichtslos? Was müsste sich ändern und wie könnte das geschehen? Alle Erfahrungen von Betroffenen und sämtliche Studien weisen seit langem darauf hin, dass die Verhältnisse dringend verändert werden müssten. Warum geschieht dann nichts? Ich kann nicht mal kleine Schritte erkennen, ganz im Gegenteil es wird immer schlimmer, das System steht kurz vor dem Kollaps. Sedierte Kinder, überforderte Eltern, Lehrer mit Burn-Out, gescheiterte Reformversuche, fortschreitende Privatisierung der gesamten öffentlichen Bildung, Schul- und Studiumsabbrecher, Absolventen ohne berufliche Perspektive, es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Eine Glückverhinderungsmaschinerie.

      Relativierungen halte ich in dieser Situation für völlig fehl am Platz.

  9. Umpff ja und nein (höhö in welcher Welt lebst du eigentlich?)
    Sadly I am not Jesus and not even half as cool as he was…..
    … na klar ist ja mein Job zu relativieren und zu moderieren! Und logisch hätte ich Vorschläge en masse, ABER ich habe leider sehr intime Erfahrungen in diesem System und nicht nur da. Und ich weiss eben leider aus eigener Erfahrung wie es ist genen eine staatliche totale Struktur, wie Schule, Armee oder dgl. anzugehen oder nur zu versuchen sie zu verändern. Alleine hierüber könnte ich Gschichtli am Kamin erzählen …
    Das ist leider wie in der Politik, der Hauptgrund für mich da nicht mitzumischen und somit müsig.
    Ein großer Kahn ändert eben nur sehr behäbig seine Richtung und wenn du mitmischen willst musst du dich verbiegen und verleugnen.

    Schnell geht das nur mittels ins chaotisch laufenden Maßnahmen, will sagen Revolten oder Streiks.

    Scheinbar liegt aber in unserer Gesellschaft dafür kein genügend hoher Leidensdruck vor – leider auch wenn es gerade um unsere Kinder geht und unsere Zukunft :-(
    Zusätzlich haben wir ja auch noch den Bildungföderalismus als zusätzlichen Hemmschuh!

    Zum Glück kann ich dir aber ein bischen Mut machen, aber nur sehr wenig und ich muss dir ebensoviel Geduld wünschen. In den letzten 20 Jahren hat sich aber dennoch schon ein, für ein so großes Schiff, nicht unerheblicher Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik vollzogen, der leider aber noch nicht in allen Schulformen vollzogen und zu spüren ist.
    So ist schulpolitisch eine deutliche Abkehr von der Fesselung an Lehrpläne und eine Ausrichtung auf Kompetenzen der Kinder wohl die grundlegendste und wichtigste Umorientierung. Nachdem dies schon meine gesamte Arbeitszeit (20 Jahre) in der Sonderpädagogik erfolgreich angewandt wir und scheinbar an diesen „Probanten “ für gut befunden wurde. Ist diese Lehrplanorientierung nun auch schon in den Grundschulen eingeführt worden, freilich noch nicht ganz bei Allen angekommen und umgesetzt. Aber wie du möglicherweise schon efahren hast gibt es ja auch schon spürbare Veränderungen je nach Schule, wie etwa Lerngespräche mit Zielvereinbarungen in den ersten Schuljahren ohne Noten. Das unterscheidet sich in den einzelnen Schulen zum Teil in der Ausprägung sehr stark und ist – jetzt dein Punkt wie gehts? – auch vom Elternwillen stark geprägt.
    Ich spreche hier nur für Bayern andere Bundesländer sind da teilweise schon erheblich weiter bzw noch nicht so weit wie hier.
    Leider geht auch mit diesen Umbrüchen ein wirklich überbordender Bürokratismus einher, der eine Hauptursache der bei dir verspürten Veränderungsunwilligkeit bei Lehrern sein dürfte.
    Schnitt
    ___________________________________________________________________
    den hier beginnt eine andere Welt: hier regieren die Philologen (Gymnasiallehrer)
    Die sehen die Sachen gaaaaaanz anders, hier läffts wie in der Wirtschaft man würde gerne TEAM machen, baut sich was zusammen, was so aussieht benennt es neu, im Endeffekt analog zur Wirtschaft; naja und dort sollen die Absolventen ja auch hin! Passt doch oder?

    Veränderung?! Du siehst also worauf es hinausläuft, das gymnasiale System als Spiegel des Wirtschaftssystems umzubauen würde bedeuten eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen und wie schwierig das ist habe ich ja anfangs angedeutet.
    Auch wenns nach Marx kling aber „die herrschende Klasse“ will das gar nicht. Warum wohl auch?
    Hier kann selbst ich nicht mehr all zu viel relativieren. Für mich zeigt sich aber hier die analoge Haltung zur gesamtgesellschaftlichen in Bezug zum System an sich.

    Jeder weiss, sieht und spürt, dass es so – Kapitalanhäufung, gesellschaftliche Schere geht auf, Kapitalmarkt destabilisiert sich, Krankenversicherungssystem, Rente, wasweissich noch ALLES – nicht weitergehen kann. Es wird weitergewurschtelt bis es kracht, ja krachen muss
    —– Katharsis – Neubeginn – Alles GUT ——
    oder so ähnlich
    oder wir warten weitere 20 Jahre und hoffen.

  10. Habe neulich mich mit den sogenannten „Glücksländern“ beschäftigt. Über den „Glücksindex“ war in letzter Zeit recht viel in der Presse.Je nach dem stehen immer in etwa selben Länder ganz oben auf diesen Listen, je nach Bewertungskriterien geht es im Grunde immer im die Lebenszufriedenheit der Menschen, wenn nach deren „Glück“ gefragt ist. Neben den Skandinavischen Ländern sind interessanter Weise auch Länder wie Panama, Mexiko oder Costa Rica mit oben dabei. Als wesentliche Werte, nach denen die „glücklichen“ Menschen dieser Länder leben werden folgende genannt.
    Vertrauen
    -In Dich und deine Möglichkeiten
    -In Andere
    Freiheit
    -Für Dich
    -Für Andere
    Mut
    -Deine Entscheidungen umzusetzen
    -Die Entscheidungen der Anderen zu respektieren
    Und es gilt der Grundsatz:
    „Wenn Du Dich nicht bewegst- bewegst Du nichts!“
    „Wenn Du Dich nicht veränderst- veränderst Du nichts!“
    Ebenfalls wichtig für die Lebenszufriedenheit ist demnach:

    -Verbundenheit mit der Natur
    -„Deutsche Zeit“ (diesen Begriff gibt´s zum Beispiel in Mexiko),
    nur wenn`s unbedingt sein muss!
    -„Arbeiten um zu Leben“
    – Scheitern gehört zum Leben
    und die Erkenntnis:
    Sicherheit frisst Freiheit!
    Was sind wir doch in Deutschland für Sicherheitsfanatiker ;)
    Außerdem interessant:
    … es wird „geduzt“ in allen Glücksländern
    … Dein Glück ist mein Glück!
    … Good for you! (Kennt Ihr diesen Auspruch von den Amis/Kanadiern?- Ich kam mir total komisch vor in Kanada, als alle kommentierten“Oh, good for you. Bzw. Die Freude, darüber, wenn Du Dir etwas gutes tust (Das Gönnen und sich freuen über das Glück des Anderen wird bei uns doch nicht alltäglich gelebt!)
    Das also meine Ideen zum Thema „Glück“ und dazu gehört es eben auch in welcher Kultur man aufwächst und wie man mit den Bedingungen umgeht.

  11. system failure – error – https://utopia.de/video-happiness-steve-cutts-konsum-gesellschaft-71761/
    da komm ich immer wieder zurück auf meine Systemkritik; wie will man in einem kranken System Glück erreichen?
    ..ich glaube schon erwähnt zu haben, dass ein bisschen herumdoktern am Bestehenden wenig oder gar nichts verändert, hierzu mal exemplarisch der neue Koalitionsvertrag: lest den Titel und lacht, weint, denkt nach weint noch mehr oder trinkt ein Bier!

    Ein neuer Aufbruch für Europa Eine neue Dynamik für Deutschland Ein neuer Zusammenhalt für unser Land
    Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD

    ????
    Hab ich da irgend etwas verpasst?
    Das liest sich wie eine Neuauflage von Grimms Märchen.

    Dieses Papier ist die Tinte nicht wert mit der es geschrieben wurde, keine Angst ich habs nicht ausgedruckt.
    z.B. Thema das Umweltschutz
    Die Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit unseres
    6476 Wirtschaftsstandortes ist Grundbedingung einer erfolgreichen Energiewende und
    6477 dafür, dass sie auch international zum Erfolgsmodell wird.
    und weiter
    Umwelt
    6480 Umweltschutz als Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitspolitik
    6481
    6482 Die Umsetzung der Agenda 2030 und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung
    6483 sind Maßstab des Regierungshandelns. Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie wollen
    6484 wir kontinuierlich und ambitioniert weiterentwickeln.
    6485
    6486 Wir wollen das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum weiterentwickeln sowie
    6487 das „Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum“ weiter stärken. Wir werden auf die
    6488 Stärkung der ökologischen Standards in der EU-Öko-Design-Richtlinie hinwirken.

    Da stehts doch! Alles ordnet sich der Wirtschaft unter: Also rennt Ratten rennt!
    Nix Konkretes!
    Bildung Schule, Beruf, Hochschule jeweils eine Seite blabla
    schauts euch an, das ist der Plan – ich frag mich nur welcher?

    Wenn ich dieses Papier lese, das voller windelweicher Formulierungen ist muss ich an good ole Roger R.I.P denken.
    Roger Willemsen hat in seiner Nüchternheit mal die Kernkompetenz von Politiker definiert: man muss perfekt lügen können. http://www.deutschlandfunkkultur.de/roger-willemsen-luegen-ist-kernkompetenz-des-politikers.2156.de.html?dram:article_id=292080

    betrübt :-(

  12. Schickt eure Kinder alle auf´s Gymnasium. Mit etwas Biss schaffen sie das schon. Tun sie sie schwer in der Schule? Dann lasst sie doch mal testen- wahrscheinlich sind sie hochbegabt! Bayern investiert (zum Glück!) eifrig in die Eliteförderung. Anschließend, ab zur Uni und ein Studium mit Chancen auf einen guten Job wählen. Hier heißt es durchbeißen. Aber es lohnt sich.Nach ein paar Jahren sind sie oben dabei. Wenn man sich dann nicht ganz dumm anstellt und darauf achtet das zu erfüllen was von einem verlangt wird, dann winkt einem schon bald eine zufriedene und glückliche Zukunft.
    Also liebe Eltern nur zu! Wir alle haben nur ein Leben. Und das ist kurz. Oder etwa nicht?
    Viel Glück!

    • Erkenne ich da einen defätistischen Sarkasmus im Kommentartext? Lasst uns nicht bitter werden, sondern jeder für sich seinem Umfeld eine positive Alternative bieten.

      Ich versuche das mit Musik und Texten und ich weiß, dass jeder von euch auch etwas beiträgt. Jetzt beginnt der Frühling, also nochmal sechs Wochen Schulendspurt bis zu den Pfingstferien, dann beginnt der lange, schöne Sommer.

      Let the sunshine in!

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