Über Jazz

Jack White: „… Nehmen Sie den Jazz, der bedeutet nichts mehr und wird nur noch von wenigen Spezialisten gehört.“
ZEIT: „Der junge Jazz-Saxophonist Kamasi Washington sorgte doch im vergangenen Jahr für Aufsehen.“
Jack White: „Nie von ihm gehört. Ich kenne keinen Menschen, der Jazz hört. Ich lebe im Hier und Jetzt!“

Interview: „Ich liebe den Klang meiner Nähmaschine“ von Christoph Dallach, ZEIT N° 13, S. 53

11 Gedanken zu “Über Jazz

  1. Zuerst eine kleine Korrektur. Es muss heißen „… wird nur noch VON wenigen Spezialisten gehört.“

    Jetzt zu der Aussage:
    Ich hoffe Sie ist nicht zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe leider keinen Zugriff auf das ganze Interview.

    Ich habe über das Thema vor einigen Monaten erst intensiv diskutiert. Am Ende hat es sich herunter gebrochen auf eine einzige Frage: Ab wann hat Musik (noch) eine Bedeutung?
    Ich für meinen Teil bin auch kein Jazz Liebhaber, aber das Genre als bedeutungslos zu betiteln würde mir nicht im Traum einfallen.
    Hat Musik nur eine Bedeutung, wenn sie populär ist und vielfach gehört wird? Ich finde nicht.
    Es ist ein bisschen die Krux der aktuellen Kulturlandschaft. Wir mischen der Bedeutung auch immer gleich den kommerziellen Erfolg bei. Eine Herangehensweise, die ich überhaupt nicht teile.
    Für mich ist es sogar so, dass die Musik einer bestimmten Band für mich an Bedeutung verliert, wenn Sie zu kommerziell erfolgreich wird. Das ist im gleichen Maße falsch, zeigt aber gut wie ich Musik wahrnehme und konsumiere. Je weniger populär etwas ist, das mir gefällt, um so mehr kann ich es genießen, weil ich das Gefühl habe, dass die Musik mehr für mich ist und weniger nach der kommerziellen Bedeutung giert. Ist das nachvollziehbar?

    • Das Zitat ist aus einem aktuellen Zeitinterview anlässlich des gerade erschienen, experimentellen (und sehr hörenswerten) Albums „Boarding House Reach“.

      Der provokante Ausschnitt ist auch im Kontext des restlichen Interviews nicht harmloser. Nach meinem Verständnis geht es um innere Energie und künstlerische und gesellschaftliche Relevanz. Ich halte diese Frage für berechtigt. Kunst, Kino, Theater, Musik, insbesondere Popmusik sollten nicht ausschließlich eine nach außen abgeriegelte Popcorntraumwelt sein.

      Persönliche Präferenzen bleiben von diesem Anspruch unberührt.

  2. Ich (persönlich) finde Jazz zeitlos! Jazz ist wie ich finde, auf der ganzen Welt eine „Universalsprache“ . Geh in irgendein Land, Du kannst vielleicht nicht deren Sprache sprechen, aber wenn du in eine Hotelbar gehst, einen Pianisten siehst und in nach einem Jazzsong fragst, kann er ihn 100% spielen und ich als Sängerin, kann mitsingen. So kann man sich verständigen. Selbst erlebt in Tschechien!

    • Wir reden hier nicht von alten Standards und historischen Einspielungen, sondern von zeitgenössischem Jazz. Hat der noch irgendeine allgemeingültige Relevanz? Kennst du Kamasi Washington? Sein Name ging vor nicht allzulanger Zeit tatsächlich durch die Feuilletons. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, es mir genauer anzuhören.

        • Dann geht’s dir wie mir oder Jack White. Falls dir Jazz wichtig ist, solltest du das nachholen, habe einiges gutes über ihn gelesen. Zumindest in Jazzfachkreisen ähnlich relevant ist der charismatische Sänger/Songschreiber Gregory Porter, der übrigens deutlich Stellung nimmt zu gesellschaftlichen Entwicklungen, q.e.d.

          Absoluter Gegenentwurf dazu wären fast sämtliche Veröffentlichungen des deutschen Edel-Jazz-Labels ECM der letzten Zeit, traurig aber wahr. Siehe auch meine letzten Albumrezensionen dazu.

  3. das was Jack macht hätten früher Jazzer gemacht – mutige neue unkonventionelle Dinge, die sie Musik nannten andere nannten das dann Negermusik, heute firmiert das eben unter diversen Genres; mein Eindruck.

    • Mich hat beeindruckt wie deutlich Eminem vor ein paar Wochen Stellung gegenüber Trump und dessen Politik bezogen hat. Ohne Rücksicht auf Verluste, maximum respect, das war relevant. So auch Jack White: Icky Trump.

    • Bist als Künstler bei der anderen Hälfte abserviert, wenn du dich von ihm distanzierst, deswegen halten sich viele große Mainstreamkümstler zurück. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Gerade bei Eminem hieß es das er aufgrund der Zusammensetzung seiner Fanbase durchaus was riskiert und finanziellle Einbußen bewusst in Kauf nimmt. Tricky.

  4. naja aber Eminem hat doch finanziell echt keine Sorgen oder? Selbst wenn, dann hätte er soviel mehr credibility, dass es sich wohl wieder ausgleichen würde…

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