Über Berufung

„[…] Der merkwürdige und unglückselige Begriff der ‚Berufung‘ kam erstmals zur Zeit des Mittelalters in einem christlichen Kontext in Umlauf und meinte die Reaktion eines Menschen auf die unvermittelte Begegnung mit der strikten, inneren Anweisung, sich gänzlich den Lehren Jesu zu widmen. […] eine weltliche Version dieses Begriffs [hat] sich bis in unsere moderne Zeit erhalten und tendier[t] dazu, uns mit der Erwartung zu foltern, Sinn und Zweck des Lebens würden sich in uns zu irgendeinem Zeitpunkt in so vollends ausgereifter und unbezweifelbarer Gestalt offenbaren, dass wir auf immerdar gegen jegliche Verwirrung, gegen Neid oder Bedauern gefeit seien.“

Buch: „Freuden und Mühen der Arbeit“ von Alain de Botton, Fischer, S. 118

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