Buch: „Ein Deutsches Klassenzimmer“ von Jan Kammann

Jan Kammann ist Lehrer für Englisch und Geographie an der Europaschule Gymnasium Hamm in Hamburg. 2016 nahm er ein Sabbatjahr und bereiste Länder, aus denen einige seiner Schüler stammen, darunter Bulgarien, Iran, Kosovo, Polen, Kuba, Nicaragua, Kolumbien, Südkorea, China, Russland und Ghana. Daher der Untertitel: „30 Schüler, 22 Nationen, 14 Länder und ein Lehrer auf Weltreise.“

Zur besseren Orientierung hatte sich Kammann von seinen Schülern individuelle Reiseführer verfassen lassen, kleine Heftchen mit persönlichen Empfehlungen von Sehenswürdigkeiten, Kulinarik und wertvollen Insider-Tipps. Die Reise folgte keiner festen Route und wurde durch Rückkehr in seine deutsche Heimatstadt mehrmals unterbrochen. In vier Etappen bereiste er, zum Teil in Begleitung, den Nahen Osten und Osteuropa, Mittelamerika, den fernen Osten und Ghana in Afrika.

Kammann bricht auf mit dem Wunsch die Heimatländer seiner Schüler und Schülerinnen persönlich kennenzulernen und erweist sich dabei als offener und unvoreingenommener Reisender. Er sucht die Begegnung und lässt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten auf spontane Begegnungen und Erlebnisse ein. Er besucht Schulen, Museen und Gedenkstätten, macht Wanderungen, reist mit Flugzeug, Zug, Bus und Taxi und macht dabei viele interessante und unterhaltsame Begegnungen mit einfachen Menschen vor Ort. Den gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten weicht er dabei bewusst aus, will lieber die alltägliche Lebensrealität in der Fremde erfahren und ist sich dabei auch nicht zu schade mal tatkräftig mitanzupacken. Der Lohn dafür ist, dass er tatsächlich einen relativ ungefilterten Einblick erhält. Aufbauend darauf macht er sich eigene Gedanken und versucht sie mit seinem erlernten Wissen als Erdkundelehrer in Einklang zu bringen. Für den Leser ist das gleichzeitig spannend, unterhaltsam und anregend. Allerdings sind es keine tiefgehenden Betrachtungen, dazu sind die Aufenthalte jeweils zu kurz. Auf der anderen Seite spürt man jedoch genau dadurch auch die Neugier und Energie des Autors, die bei längeren z.B. mehrmonatigen oder jahrelangen Aufenthalten an einem Ort durch langweilige Routinen überlagert wäre.

Sein Schreibstil ist angenehm undogmatisch, kein bisschen lehrerhaft. Er ist an gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhängen interessiert, beschreibt sie verständlich und anschaulich anhand eigener Erlebnisse.

Fazit: Kammann ist spürbar am Fremden, Unbekannten und seinem jeweiligen Gegenüber interessiert. Seine maßgeschneiderte Teilweltreise ist ein klares Plädoyer für Toleranz und Offenheit. Wenn wir einander wahrnehmen und zuhören, ist das für beide Seiten ein persönlicher Gewinn. Es wäre nun interessant zu erfahren, ob sich sein Unterrichtsansatz nach seiner Rückkehr verändert hat, bzw. wie weit das in einem starren System wie dem deutschen überhaupt möglich ist. Auf jeden Fall wünscht man allen Schülerinnen und Schülern einen Lehrer, dessen Interessen so weit reichend sind und dessen Lerninhalte dermaßen von persönlicher Erfahrung unterfüttert sind. Ein gutes Beispiel, nicht nur für Lehrer und Schülerschaft.

Das Buch hat 300 Seiten (inkl. Farbfotos), erscheint bei Piper und kostet 18€.

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