Musikeigentherapie (KW39/2019)

Am vorletzten Tag der Sommerferien bin ich von meiner dreiwöchigen Reise durch Tansania zurückgekehrt. Am nächsten Tag startete die Terminplanung für das neue Unterrichtsjahr und einen weiteren Tag später war ich bereits wieder in der Unterrichtsroutine angekommen. Die Erlebnisse aus Afrika hatten aber noch einen gehörigen Nachhall, es war eine geballte Extremerfahrung, die etliche meiner Gewissheiten in Frage stellte und zum großen Teil habe ich immer noch keine Antworten oder Lösungen gefunden. Ich musste lernen akute Missstände so zu akzeptieren, wie sie nun einmal sind und merke, wie schwer mir das fällt. Schwierig ist auch, dass man die Erfahrungen kaum mit anderen teilen kann. Davon zu erzählen ist das eine, aber man wird es nicht wirklich los, steht am Ende immer ratlos und alleine da und irgendwann will man anderen mit den Elendsgeschichten auch nicht mehr auf die Nerven gehen.

Tröstlich und erbaulich war daher die Lektüre des Buchklassikers „Serengeti darf nicht sterben“ (1959) von Bernhard Grzimek. Die Veröffentlichung liegt heuer genau 60 Jahre zurück, könnte aber aktueller kaum sein. Es handelt eigentlich davon wie Grzimek zusammen mit seinem Sohn Michael die Wildtierpopulation und Herdenwanderung in der Serengeti beschreibt um gute Argumente für die Erhaltung des Nationalparks zu sammeln. Neben der Arbeit mit den Tieren geht es aber auch um Afrika, Kolonialismus, Postkolonialismus, die Bevölkerung, verschiedene Sprachen und Volksstämme und nicht zuletzt um die Geschichte der Menschheit. Erstaunlicherweise spielen auch schon menschengemachte klimatische Veränderungen, das massenhafte Artensterben und die rücksichtslose Ausbeutung der Natur eine zentrale Rolle. Es ist beeindruckend wie Grzimek und sein Sohn selbstlos und in mühevollster Kleinarbeit einen Beitrag dazu leisten ein Wunder der Natur zu erhalten. Getreu seinem Leitspruch: „It’s better to light a candle, than to curse the darkness.“ Eine äußerst empfehlenswerte Lektüre.

Ansonsten haben sich einige Dinge anders entwickelt als ich dachte. Mein Vater ist auf seine alten Tage von München nach Würzburg umgezogen um besser versorgt zu sein. Umzug, Neueinrichtung und Ummeldungen waren anstrengend und zeitraubend. Auch hier spüre ich, dass ich die Umstände so akzeptieren muss, wie sie nun einmal sind, und froh sein kann, wenn es irgendwie läuft. Arbeiten müssen einfach erledigt werden, hilft ja nichts. Mit der Erstellung von Blogtexten, Fotos und Videoclips ist der größte Teil meiner Arbeit an der Afrikadokumentation erledigt. Christof Balling wird den Schnitt zusammen mit einem anderen Partner vornehmen. Für mich bleibt noch die Aufbereitung der Fotos und Audioaufnahmen. Ach ja: Mein Jahresvertrag bei der Berufsfachschule wurde auf unglamouröse Art nicht verlängert, Gründe wurden nicht genannt. Kein Feedback zur Arbeit, keine Kritik, kein Lob, keine Verabschiedung, seltsam.

Ich habe daher unerwarteter Weise wieder mehr Freiräume als in den letzten Jahren. Die Arbeiten am geplanten Album mit neuen Songs ruhen seit Juli und ich muss mich erst wieder reinarbeiten. Da fiel mir plötzlich auf, dass ich im laufenden Jahr 2019 noch kein Album präsentiert habe, obwohl ich mir vor 20 Jahren fest vorgenommen hatte jedes Jahr mindestens eines zu veröffentlichen. Da ich das Album mit eigenen Songs bis zum Jahresende wohl nicht mehr fertigkriege und ich für DS-Alben auch gerade Jahreszahlen bevorzuge (z.B. 2020), brauchte es eine andere, schnell umsetzbare Idee. Seit der inoffiziellen Auflösung der DS-Combo mangels bezahlter Auftrittsmöglichkeiten lag es nahe einmal ein Solo-Album zu produzieren. Das wäre unaufwändig und würde musikalisch der augenblicklichen Situation entsprechen. Bei einem Spaziergang machte ich eine Liste von wenig bekannten Songs, die mich in meiner Jugend geprägt hatten, darunter Rab Noakes, Paul McCrane, Steve Goodman, natürlich auch Jim Croce. Titel und Titelsong wird „One Man Band“ von Leo Sayer. Das wiederum erinnerte mich an meine kurze, aber lehrreiche Zeit als unprofessioneller Straßenmusiker und wie sehr ich damals bedauerte nicht eine Basstrommel auf dem Rücken und einen Hihat mit einem Faden zu einem meiner Füße gehabt und gespielt zu haben. Das wird nun aber nachgeholt. Die meisten der sechs geplanten Songs werden mit Akustikgitarre und Uff-za-uff-za-Begleitung eingespielt, dazu hier und da etwas schlampige Mundharmonika, so wie man es mit etwas Mühe auch wirklich alleine performen könnte, fertig. Songs sind ausgewählt, Tonarten und Tempi festgelegt, die Vorbereitungen laufen. Oktober und November wird aufgenommen, mischen werde ich selbst, soll unbedingt noch 2019, also vor Weihnachten erscheinen.

Musikeigentherapie für den junggebliebenen Middle Ager. Könnte schlimmer sein.

Ein Gedanke zu “Musikeigentherapie (KW39/2019)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.