OP: Zwölf Monate später (KW48/2019)

Old man, take a look at your life.
(Neil Young, 1972)

Nahezu auf den Tag genau vor zwölf Monaten wurde im Zuge einer OP mein gerissenes Kreuzband im rechten Knie mit einer körpereigenen Sehne ersetzt. Gemäß meines physiotherapeutischen Nachbehandlungsplans habe ich die ersten Wochen tagsüber eine post-operative 4-Punkt Orthese getragen, nachts eine Mecronschiene, zur Fortbewegung habe ich immer Krücken verwendet und das operierte Bein nur mit 20% belastet. Nach sechs Wochen begann das Aufbautraining, das von physiologischer Betreuung begleitet wurde: Zweimal die Woche Physiotherapie und zweimal die Woche Lymphdrainage. Es war atemberaubend wie sehr sich meine Muskulatur ums Knie in den sechs nahezu bewegungslosen Wochen zurückgebildet hatte.

Streckung und Beugung liefen aber von Tag zu Tag besser, die alltäglichen, kleinen Bewegungen (langsames Gehen, Treppen) und erste tägliche Übungen (leichte Kniebeugen, Einbeinstand) taten gut und zeigten Wirkung. Ich erweiterte meinen Bewegungsradius durch leichte Spaziergänge mit Wanderstöcken (Mein Hausberg Würzburger Stein). Ab der achten Woche war die Beugung weit genug, dass ich wieder kurbeln und Rad fahren konnte. Schwierig war dabei gar nicht das Fahren geradeaus, sondern eher das Auf- und das Absteigen und die Angst davor plötzlich bremsen oder ausweichen zu müssen und dabei zu stürzen. Weil das Knie nicht weh tat, ging es dann ziemlich schnell: Erst 5km, dann 10km und ab der zehnten Woche bereits mehrfach Ochsenfurt-Würzburg, das sind ca. 20km. Ende der elften Woche bereits eine 2½h-Tour mit ca. 50km Strecke, war kein Problem, nicht das Knie, sondern Rücken und Hintern taten danach weh.

Weiterhin machte ich täglich meine Übungen, die mittlerweile viel mit Strecken und Dehnen zu tun hatten. Kniebeugen, Ausfallschritt, Einbeinstand, Klappmesser, eigentlich nichts Besonderes, aber zuerst eine furchtbare Quälerei. Stehen, Gehen, Radfahren war kein Problem mehr, Schmerzen auch überhaupt kein Thema, ich machte weiterhin langsam um nichts zu provozieren und bei irgendeiner unvorhergesehenen Bewegung dumm umzuknicken. Noch gar nicht ging dagegen Joggen, Rennen und Hüpfen, da spürte ich bereits am allerersten Ansatz, dass ich das nicht machen sollte und mache es auch nicht.

Physio war nach ca. drei Monaten beendet, Lymphen sogar schon etwas früher. Die täglichen, kleinen und nervigen Übungen daheim und möglichst viel alltägliche Bewegung zwischendurch (Spazieren, Treppen, Radfahren) waren meiner Meinung nach der Schlüssel um zügig wieder fit und bewegungssicher zu werden. Die Übungen machte ich im Laufe der Monate immer weniger, die tägliche Bewegung dagegen immer mehr.

Ein halbes Jahr nach der OP war ich für ein paar Tage Wandern im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Wald- und Feldwege, bergaufwärts und eine lange Kammwanderung (4h) mit Wanderstöcken waren kein Problem, abwärts ging‘s aber lieber mit der Gondel um (beide) Knie zu schonen. Davor und auch danach regelmäßige Radtouren (2-3 pro Woche, jeweils 20-60km), war überhaupt kein Problem, sondern eher eine Wohltat.

Vollkommen vermieden habe ich bis zum jetzigen Zeitpunkt Kontaktsportarten wie Fußball, Basketball, Volleyball etc. Gehen, Laufen, Wandern dagegen funktioniert problemlos und vollkommen angstfrei. Vor vier Wochen war ich erstmals bei der lockeren Skigymnastik (60 Min, allround), inkl. leichtes Joggen, leichte Sprünge, Kraft/Ausdauer. Lief gut, aber ich spürte immer noch eine kleine Unsicherheit auf der operierten Seite, insbesondere bei Richtungswechseln (Turnhalle). Über den Winter will ich ganz lockeres Joggen ausprobieren, evtl. mit Geh-Einheiten, aber auf keinen Fall großen Schritte und auch nur kurze Distanz (5km).

Habe mir überlegt, dass ich im Juni 2020 gerne den Münchner Stadtlauf (10km) mitmachen würde um mir zu beweisen, dass auch das wieder geht. Mal sehen, ist noch Zeit.

Würde sagen, dass ich auf einer Skala von 0-100, bei der 100 als ursprünglicher Wert (vor dem Unfall) steht, auf ca. 75-80 angekommen bin und sehr viel mehr wird sich wohl nach meiner Einschätzung nicht mehr entwickeln. Bewegung ist und bleibt der Schlüssel, aber ich muss weiterhin vorsichtig sein. Nochmal will ich so einen langwierigen Heilungsprozess nach Möglichkeit nicht durchmachen müssen. Daran denke ich bei jeder sportlichen Betätigung.

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