Foto: Impressionen vom 35. Jazzfestival, Würzburg (2019)

Am Wochenende fand im Stadtteilzentrum Grombühl in Würzburg das 35. Jazzfestival der Jazzinitiative statt. Sa und So waren ab 19.00 jeweils drei Jazzbands zu hören. Hier ein paar Impressionen:

Musikalisch eröffnet wurde das Festival von einem jungen Jazzquartett (Axis?) um die charismatische Sängerin Sarah Buchner. Sie übersetzten psychodelische Songs von Jimi Hendrix in die Sprache des modernen Jazz und das machten sie und ihre musikalischen Mitstreiter experimentierfreudig, facettenreich und sehr überzeugend. Dabei waren Sebastian Wagner (sax), Max Arsava (piano) und Jonas Sorgenfrei (drums), die Namen sollte man sich merken. Es folgten die etwas angestaubte Veteranenband Nighthawks, die einen Querschnitt durch ihr musikalisches Werk seit 2001 präsentierten. Schon okay, aber mit flächigen Playbacks vom Laptop und langatmigen modalen Klangfeldern auch einigermaßen antiquiert. Eine musikalische Entwicklung bis in die Jetztzeit war dem Konzert jedenfalls nicht zu entnehmen, Sounds der 90er und 00er Jahre.

Nighthawks

Der Samstagabend wurde beschlossen vom Leo Betzl Trio. Technojazz, hart, voller Spielfreude und überzeugend. Interessante Präsentationsform auch, weil keine Ansagen, keine Pausen zwischen den Stücken, nur szenischer Applaus. Dadurch war das 60-minütige Konzert wie ein morphender Dauertrack, der den Zuhörer in eine lang anhaltende Trance beamte. Cool.

Leo Betzl Trio

Der Sonntag startete mit Leléka, einem ukrainisch-polnisch-deutschem Quartett aus der Bundeshauptstadt. Namensgeberin Viktoria Leléka sehr überzeugend am Gesang.
Es folgte die Wolfgang Lackerschmid Connection, gut abgehangener und erfahrungsgesättigter, deutscher Vibraphonjazz in Quartettbesetzung. Viele Eigenkompositionen, ausbalancierter Sound, routinierte Arrangements, herausragende Musiker, sehr solide, fast klassisch, macht Spaß.

Wolfgang Lackerschmid Connection

Zum Abschluss mit Jazzkantine ein erfolgreiches Kollektiv der 1990er. Großer Auftritt, aber leider ist die Formation in den 90ern stehen geblieben. Alte Songs in alten Arrangements mit alter Attitüde. Die Band wirkte wie ein Coverband von sich selbst, die Performance wie die einer gut eingespielten Musicalbegleitband. Bei der Hip Hop / Jazz Combi fehlten ausgerechnet die konstituierenden Elemente Freestyle (Rap), DJ (Vinyl) und echte Impro (Jazz). Zu viel Routine, zu wenig Realness, da helfen auch keine einheitlichen Adidas-Sneaker.

Jazzkantine

Fazit zum Reise/Foto/Blog/Film/Projekt: Tansania, Ostafrika (2019)

Hinter uns liegen drei Wochen mit intensiven Erlebnissen. Das Reise/Foto/Blog/Film/Projekt im Auftrag der deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW, GLRA) führte uns (Christof Balling & Dennis Schütze) einmal quer durch Nordtansania. Am 20. August 2019 flogen wir ein in Mwanza am Viktoriasee, dem größten Süßwassersees Afrikas. Von dort ging es mit dem Land Cruiser über Land zur nördlichen Kleinstadt Shirati. Von hier aus besuchten wir das örtliche Krankenhaus und mehrmals eine in der Nähe gelegene Primary School. Im Rahmen des Schulbesuchs und mehreren Hausbesuchen wurden Kennenlernspiele, Gespräche, Interviews, Musikaufnahmen und Videoaufnahmen durchgeführt. Nach einer Woche wechselten wir den Standort in das etwas südlicher gelegene Musoma. Von hier aus besuchten wir eine weitere Primary School. Auch dort fanden Haus- und Schulbesuche statt, es wurden Interviews geführt und Musik- und Videoaufnahmen gemacht. Wichtig und sehr eindrücklich waren neben den geplanten Besuchsterminen aber auch zufällige Begegnungen und Ereignisse mit den Menschen vor Ort. Grace Mwasuka, unsere Reiseleiterin, eine kluge und selbstbewusste afrikanische Frau, war uns eine wertvolle Hilfe und Unterstützung auf ganzer Linie und löste geduldig alle schwierigen Situationen, die sich hin und wieder ergaben. Auch unser Fahrer Juma ließ sich in den Wochen nicht ein einziges Mal aus der Ruhe bringen und hat uns die über 2000km Wegstrecke unter schweren bis schwierigsten Bedingungen sicher und unfallfrei zu unseren Zielen befördert. Für Pförtner, Sicherheitsleute, Polizisten und Militärs hatte er dabei immer ein freundliches Wort oder einen netten Gruß auf Lager. Weiterlesen

Safari: Serengeti National Park

Safari (Swahili) heißt auf deutsch einfach nur Reise. Nach dem Besuch verschiedener Schulen und Einrichtungen in den Distrikten Shirati und Musoma und der Begegnung mit vielen Menschen mussten wir zurück zur Küstenstadt Dar es Salaam. Der kürzeste Weg dorthin führt durch den Serengeti National Park, die Ngorongoro Conservation Area und dann über Arusha und Moshi viele hunderte Kilometer bis zum indischen Ozean. Die Reise dauerte drei volle Tage. Die Kosten für die Passierscheine haben wir aus eigener Tasche bezahlt. Hier einige fotografische Impressionen aus dem Serengeti National Park.

Musoma: Chumwi A Primaryschool, Musoma Rural – Mara Region

Am Montag waren wir nach dem Abendessen zum Abschied bei Dr. Glen Brubacker eingeladen. Es kommen in Shirati so selten auswärtige Besucher vorbei, dass man sich nach seiner Ankunft wie selbstverständlich bei den Honorationen des Orts vorstellt und vor der Abreise auch wieder verabschiedet. Brubacker empfing uns in seinem Bungalow, bot Mandarinen, Zartbitterschokolade und Instantkaffee an und wir tauschten uns aus. In seinen 30 Lebensjahren in Shirati hat er viel erlebt und etliche Entwicklungen aktiv begleitet. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen und den Veränderungen der Lebensumstände, so wie er sie erlebt hat. Das Hospital und die medizinische Versorgung spielen dabei eine tragende Rolle, Projekte werden von ausländischen Initiativen und Organisationen (z.B. DAHW) angestoßen und teilfinanziert. Auf diese Weise wurde über Jahre und Jahrzehnte hinweg ein wichtiger Beitrag dazu geleistet betroffenen Menschen und deren Familien ihr Leben zu erleichtern. Später stieß noch Dr. Bwire Chirangi zu unserer Runde, bedankte sich persönlich für die Hilfe aus Deutschland und verabschiedete sich in aller Form. Wir waren vom selbstlosen Engagement der beiden tief beeindruckt. Weiterlesen

Shirati: Hausbesuch, Mara Region

Am Montagmorgen brachen wir auf zu unserem zweiten Besuch an die Kogaja Primary School, Rorya in der Mara Region. Wir wollten noch weitere Aufnahmen mit der Sing- und Tanzgruppe machen und einem Kind mit Beeinträchtigung einen Hausbesuch abstatten um individuelle Lebensbedingungen kennen zu lernen.

Als wir bei der Schule ankamen wurde uns mitgeteilt, dass Examenstag der Abschlussklasse sei und alle anderen Schüler deswegen schulfrei hätten. Es waren trotzdem etliche andere Schüler da, aber sie hatten offensichtlich keinen Unterricht, drückten sich auf dem staubigen Schulhof herum. Unser Kind war leider nicht dabei. Kurzentschlossen improvisierten wir: Christof würde mit den anderen zur Schülerin nach hause fahren um sie zu finden und abzuholen, ich würde solange in der Schule bleiben und die Technik aufbauen, damit es dann gleich losgehen könnte. Mein Part war schnell erledigt, dann saß ich auf der Schwelle des Klassenzimmers und beobachtete das Geschehen im Schulhof. Weiterlesen