Über Musicals

„Vielleicht ist deswegen das Musical die Popform der Stunde, in der das Gewöhnliche nur in der Form der Gigantomanie überlebt. Das Musical ist das popkulturelle Pendant zu einer Outlet-Veranstaltung in einem Möbelhaus oder einem „All You Can Eat“-Lokal. Du kriegst alles, es ist das, was auch die anderen kriegen (wenn dein Magen es durchhält, kriegst du ein bisschen mehr), und du wirst glücklich sein, wenn du uns restlos erschöpft verlässt. Das ist einerseits das dicke Ende einer Verwertungskette: Wenn etwas garantiert sinn- und formlos geworden ist, dann wird es zu einem Musical. Das betrifft Religion, Geschichte, Literatur oder Biographie, mittlerweile in besonderem Maße aber auch die Popmusik selber. Das Ende einer Karriere besteht in der Vermusicalisierung. Egal, ob Udo Lindenberg, Jesus Christus, Ludwig II, ABBA – das Musical, das die Mehrzweckhallen der Provinz zu einem einträglichen Geschäft und zu einem identitätsstiftenden Kulturzweig macht, hat das Recyclingprinzip zur Perfektion gebracht. Es ist der Magen der Popkultur, in dem, ohne große Dramaturgien, ohnehin alles zusammenkommt. Weiterlesen

Über Jazz

Jack White: „… Nehmen Sie den Jazz, der bedeutet nichts mehr und wird nur noch von wenigen Spezialisten gehört.“
ZEIT: „Der junge Jazz-Saxophonist Kamasi Washington sorgte doch im vergangenen Jahr für Aufsehen.“
Jack White: „Nie von ihm gehört. Ich kenne keinen Menschen, der Jazz hört. Ich lebe im Hier und Jetzt!“

Interview: „Ich liebe den Klang meiner Nähmaschine“ von Christoph Dallach, ZEIT N° 13, S. 53

Amazon Top 500 Rezensent

Seit Ende 2015 gehöre ich bereits zu den Top 1000 Rezensenten bei Amazon, vor einigen Tagen bin ich erstmals in die Top 500 gerutscht. Der genaue Platz kann sich zwar täglich ändern, ich habe mich aber in den hohen 400ern stabilisiert. Heute bin ich z.B. #499, also denkbar knapp unter der Schwelle. In den letzten Jahren habe ich insgesamt 346 Rezensionen zu Büchern und Musikalben veröffentlicht und dafür 1701 hilfreiche Bewertungen von anderen Kunden bekommen. Weiterlesen

Benefizkonzert des Polizeiorchesters Bayern: Mit Schwung ins blaue Jahr (2018)

Ich habe keine Ahnung wie es dazu kommen konnte. Irgendwann Anfang Dezember kam eine Mail vom Bayerischen Landtag mit der Frage, ob ich Interesse an Eintrittskarten für ein Konzert des Polizeiorchesters Bayern im CCW Würzburg hätte. Ich bin weder Mitglied der CSU, noch der bayerischen Polizei in besonderem Masse verbunden, aber weil ich nicht weit weg wohne und mein Sohn seit ein paar Jahren Trompete spielte, sagte ich einfach mal zu. Ich bekam zwar keine direkte Antwort, aber im Januar hatte ich vier Karten in meinem Briefkasten liegen und das war natürlich erstmal erfreulich. Weiterlesen

Musikpädagogik: Muse und Hass

Meine Kinder besuchen ein musisches Gymnasium in Bayern. Das klingt erstmal ganz toll. Man glaubt, musische Fächer wie Musik, Kunst, Tanz, Theater und Literatur würden eine größere Rolle spielen als an anderen Schulen. Laut Lehrplan und Fächerverteilung ist das auch so, nur werden in den entsprechenden Stunden eben nicht in erster Linie musisch-kreative Inhalte vermittelt, sondern genauso wie in den meisten anderen natur- und geisteswissenschaftlichen Fächern trockenes Lernwissen behandelt, das auswendig gelernt und pünktlich zur Abfrage/Ex/Schulaufgabe abgeliefert werden muss.
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Mainpost über „Mitmachlieder aus dem Hochhaus Nummer 9“

Liedermacher macht Mitmachlieder für Kinder
Von Joachim Fildhaut

In der Pleich ragt ein violett angestrichenes Gründerzeit-Mietshaus in die Höhe. Diesem Bauwerk setzte der Liedermacher Christof Balling ein musikalisches Denkmal. „Hochhaus Nummer 9“ heißt seine erste CD voller Kinderlieder. Wilde Kinder fahren mit dem Fahrrad das bunte Treppenhaus hinunter und feiern eine Party auf dem Dach. Und nicht nur das Haus, auch die Kinder darin gibt es wirklich. Weiterlesen

“Einfluss” von Konstruktionskomponenten auf den Klang einer E-Gitarre

Gastbeitrag von Sven Proppert

Vor einer halben Ewigkeit (etwa 5 Jahre) erzählte mir ein Freund (Akustiker bei einem großen Autohersteller), er habe mal in einem Vortrag über den Einfluss von Holz bei E-Gitarren gehört, dass das mal jemand im Labor gemessen habe und herauskam, dass es quasi keinen Einfluss gäbe. Viel entscheidender seien andere Dinge, wie die Spieltechnik (insbesondere der linken Hand), die Haltung der Gitarre (Brust à la George Harrison, Bauch, oder auf dem Bein/Knie (Slash, Scorpions) – um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen) und im Zweifel, wie viel Resonanzkörper der (Bier-) Bauch des/der Gitarristen/-in liefert. Hierzu vorab ein Auszug aus (2): „Hat eigentlich schon mal jemand die Bauch-Admittanz eines Heroin-Junkies mit der eines, sagen wir mal, in Ehren gealterten Blues-Blackies verglichen? Nein? Aber das Holz der 61er Strat mit dem der 64er, gell, das schon!“ (Anmerkung: Aufgrund des allgemeinen Schreibstils im Buch, fände ich jegliche Vermutung in Richtung Rassismus abwegig.) Ich fand das beeindruckend, aber irgendwie hat mich die Thematik seitdem beschäftigt, weil ich keinerlei Quellen hatte, und mir das „Bekannte“ viel zu sehr auf Hörensagen beruhte. Weiterlesen

(Un-)Pop: Top 5 der legendären Alben, mit denen ich nichts anfangen kann

Als Popmusikinteressierten begegnen einem über die Jahre und Jahrzehnte immer wieder Artikel und Listen in denen auf angeblich legendäre Alben hingewiesen wird, die man als Kenner gut finden und am besten in mehreren Medienformaten im Schrank stehen haben sollte. Ich habe auf diese Weise einige wirklich Klassiker für mich entdecken können, zum Teil auch aus musiksalischen Bereichen, die ich normalerweise selten bis gar nicht hör(t)e, so aber einen Zugang gefunden habe. Andererseits habe ich mir auch ohne mit der Wimper zu zucken etliche Alben gekauft mit denen ich auch nach mehrfachem Hören wirklich überhaupt nichts anfangen konnte. Bei „Pet Sounds“ der Beach Boys war ich jahrelang sogar felsenfest eine Fehlpressung zugestellt bekommen zu haben, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass diese primitive Songsammlung legendär sein soll, fängt schon vorm eigentlich hören beim Cover an, zur Musik sag ich mal lieber nichts, sonst ufert das aus. Nur so viel: Dass das von manchen Beobachtern auf gleiche Stufe mit epochalen Alben der Beatles gestellt wird, wird bis auf weiteres eines der ungeklärten Rätsel der Menschheit für mich bleiben. Weiterlesen

Simon-Philipp Vogel über „Messin‘ around with Jim Croce“

Von Simon-Philipp Vogel

Natürlich ist es Zufall, dass im Jahr 1972 nicht nur das Album “You don’t mess around with Jim” von Jim Corce erschien, sondern auch Dennis Schütze selbst das Licht der Welt erblickte. Ein Stückchen Schicksal mag man der Gegebenheit aber beimischen, jetzt da Schütze mit “Messin‘ around with Jim Croce” eine eigene Hommage an das Album aus 1972 veröffentlicht hat. Weiterlesen

Buch: „Als Musik und Kunst dem Bildungstraum(a) erlagen“ von Norbert Schläbitz

Norbert Schläbitz ist leitender Professor des Faches Musikpädagogik an der Westfälischen-Universität Münster. Seit vielen Jahren veröffentlicht er Arbeitshefte und Schulbücher für die Fächern Deutsch (EinFach Deutsch) und Musik (O-Ton). „Als Musik und Kunst dem Bildungstraum(a) erlagen“ erscheint bei V&R unipress und trägt den Untertitel „Vom Neuhumanismus als Leitkultur, von der »Wissenschaft« der Musik und von anderen Missverständnissen“. Die umfangreiche Schrift ist nichts weniger als eine fundamentale und knallharte Systemkritik. Aus dem Blickwinkel eines progressiven Geistes- und Musikwissenschaftlers stellt Schläbitz das überlieferte, deutsche Bildungsideal in Frage und zerlegt es nach allen Regeln der argumentatorischen Kunst in seine Bestandteile. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei der Humboldt’sche Bildungshumanismus, den er als wirkmächtige Ideologie ohne Realitätsbezug versteht, die zu Ignoranz, Arroganz und Ausgrenzung führt. Weiterlesen