Über äußere Umstände

„People are always blaming their circumstances for what they are. I don’t believe in circumstances. The people who get on in this world are the people who get up and look for the circumstances they want and if they can’t find them, make them.“

George Bernard Shaw (1856-1950), “Mrs. Warren’s Profession” (1893), act II

Buch: „Leopold Mozart. Eine Biografie“ von Silke Leopold

Die Autorin Silke Leopold ist eine profilierte, deutsche Musik- und Theaterwissenschaftlerin. Nach diversen Veröffentlichungen in der Reihe „Bärenreiter Studienbücher Musik“ und zuletzt einer Biografie über Claudio Monteverdi (2017) legt sie mit „Leopold Mozart“ diesmal eine besondere biografische Schrift vor. Die Hauptfigur ist nicht in erster Linie als Musiker bekannt, sondern vor allem als Vater, Erzieher und Förderer seiner beiden hochbegabten Kinder Wolfgang und Nannerl. Im November 2019 jährt sich Leopold Mozarts Geburtsjahr zum 300. Mal. Anlass genug für eine ausführliche, nähere Betrachtung. Weiterlesen

Spotify Millionär

Seit diesem Wochenende bin ich Spotify Millionär. Im Frühjahr hatte ich darüber berichtet, dass der von mir produzierte Titel „Jolene“ mit Sunny Sweeney vom Album „Sideburner“ (2006) stramm auf die 500.000-Marke zusteuert. Seitdem kamen jeden Tag 2-3000 Zugriffe dazu. Ein knappes Halbjahr später wurde nun die erste Million geknackt und es sind schon wieder 5K dazu gekommen. Die Reise scheint also weiter zu gehen und ich beobachte das ungläubig. Die kuriose Vorgeschichte und die unwahrscheinliche Wendung hatte ich bereits im erwähnten Artikel beschrieben.

Schade nur, dass der Song nicht von mir stammt und ich nicht gesungen habe. Lediglich Gitarre und Produktion stammen aus meiner Hand. Schade auch, dass sich die hohen Zugriffszahlen nicht erkennbar auf andere meiner Titel auswirken. Nicht einmal die andere Produktion mit Sunny Sweeney („Jackson“, selbes Album), bei der ich als Duettpartner auch singe, kann außergewöhnliche Zugriffe verzeichnen.

Als frisch gebackener Spotify Millionär freue ich mich und bin enttäuscht gleichzeitig. Mehr als eine Million Menschen weltweit haben eine Produktion von mir gehört und doch wirkt die Information nicht wahr und wirklich, sondern wie ein riesiger Fake, denn ich spüre in meinem kleinen Leben überhaupt keine Auswirkungen. Na gut, der Quartalsscheck des Labels ist etwas höher als in den Jahren zuvor, aber gemessen an den Zugriffzahlen immer noch mickrig. Die Kosten der Produktion sind auch gut zehn Jahre später längst nicht gedeckt. Es gibt aufgrund dieses Erfolgs auch nicht mehr Interesse an meiner Arbeit als zuvor. Keinerlei Zuwachs bei Produktions- oder Konzertanfragen. Was soll’s, ich mach einfach weiter und arbeite an der nächsten Million, würde demnächst gerne noch Spotify Multimillionär werden. Das sollte zu schaffen sein, wenn die Zugriffe nicht so plötzlich zurückgehen, wie sie gekommen sind. „I can not compete with you, Jolene!“

PS: Kann mir mal jemand sagen, was ich machen soll, wenn meine Auftrags- und Einkommenssituation sich nur aus irgendwelchen Zufällen zusammensetzt? Irgendwas halt, im Zweifel das, was Freude bereitet und erfüllt, würde ich mal behaupten. Verstehe ich zwar nicht, aber ich fahre bisher ganz gut damit.

Again: All the best to Sunny Sweeney, wherever you may roam.

Musikeigentherapie (KW39/2019)

Am vorletzten Tag der Sommerferien bin ich von meiner dreiwöchigen Reise durch Tansania zurückgekehrt. Am nächsten Tag startete die Terminplanung für das neue Unterrichtsjahr und einen weiteren Tag später war ich bereits wieder in der Unterrichtsroutine angekommen. Die Erlebnisse aus Afrika hatten aber noch einen gehörigen Nachhall, es war eine geballte Extremerfahrung, die etliche meiner Gewissheiten in Frage stellte und zum großen Teil habe ich immer noch keine Antworten oder Lösungen gefunden. Ich musste lernen akute Missstände so zu akzeptieren, wie sie nun einmal sind und merke, wie schwer mir das fällt. Schwierig ist auch, dass man die Erfahrungen kaum mit anderen teilen kann. Davon zu erzählen ist das eine, aber man wird es nicht wirklich los, steht am Ende immer ratlos und alleine da und irgendwann will man anderen mit den Elendsgeschichten auch nicht mehr auf die Nerven gehen. Weiterlesen

Über Postkolonialismus

„Die Europäer haben diese Völker in manchen Gegenden jäh aus einem ausgeglichenen, primitiven Leben herausgeholt, in anderen Ländern haben sie sie von Sklaverei, brutalen Stammeskriegen, Hungersnöten und Seuchenelend erlöst. Man kann aber nicht Menschenmassen, die zu 98% aus Schreibunkundigen bestehen, sich auf einmal demokratisch selbst regieren lassen. Dann werden sie einer Korruptionsclique von Häuptlingen, Kaufleuten und Levantinern ausgeliefert, die sie ausbeuten. Schließlich haben wir Europäer uns ja auch nicht in einigen Jahrzehnten zu Demokraten entwickelt, sondern in Jahrhunderten oder einem Jahrtausend, und es hat alle Übergangsformen gegeben, vom Wahlkönigtum bis zum preußischen Dreiklassenwahlrecht. Solange diese Menschen eines Kolonialvolkes nicht wenigsten zur Hälfte lesen und schreiben können, solange nicht Zehntausende davon zu Ärzten, Richtern, Technikern, Verwaltungsbeamten, Landmessern, Tierärzten, Lehrern, Krankenpfleger, Straßenbauern, Tropenlandwirten, Grubenfachleuten, Forsttechnikern, Brückenbauern, Eisenbahnern und Funktechnikern ausgebildet sind – so lange kann man ihnen nicht innerhalb kurzer Jahre die zivilisatorischen Einrichtungen eines modernen Kolonialwesens zur Selbstverwaltung überlassen, ohne sie ins Unglück zu führen. Ich weiß, dass viele Europäer und viele Farbige das Gegenteil befürworten, weil es sich im korrupten Durcheinander einer Scheinverwaltung gut leben und noch besser verdienen lässt.

Es ist auch nIcht damit getan, dass man jetzt in den Kolonien schnell Universitäten gründet, die viele Lehrer und fast gar keine vorgebildeten Studenten haben. Die farbigen Länder brauchen Volksschullehrer und Zehntausende von Schulen, nach zehn Jahren Tausende von Mittelschulen, dann Oberschulen und schließlich Universitäten. Wer den schwarzen und den farbigen Menschen als Mitbruder ehrt und liebt, der darf die einmal begonnene Arbeit jetzt nicht missmutig niederlegen, auch wenn er von den Schwarzen und ebenso von den Weißen in der Heimat dazu gedrängt wird. Man darf das Wahlrecht und das Recht der Mitsprache im Staat nicht von der Hautfarbe abhängig machen, wohl aber davon, ob jemand lesen und schreiben kann, und von dem, was er gelernt hat. Dann gelten die gleichen Gesetze für Schwarz und Weiß, und die Afrikaner werden so bald oder so spät mitregieren, wie sie es wirklich können.“

Bernhard Grzimek: „Serengeti darf nicht sterben“, 1959, S. 192.

Fazit zum Reise/Foto/Blog/Film/Projekt: Tansania, Ostafrika (2019)

Hinter uns liegen drei Wochen mit intensiven Erlebnissen. Das Reise/Foto/Blog/Film/Projekt im Auftrag der deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW, GLRA) führte uns (Christof Balling & Dennis Schütze) einmal quer durch Nordtansania. Am 20. August 2019 flogen wir ein in Mwanza am Viktoriasee, dem größten Süßwassersees Afrikas. Von dort ging es mit dem Land Cruiser über Land zur nördlichen Kleinstadt Shirati. Von hier aus besuchten wir das örtliche Krankenhaus und mehrmals eine in der Nähe gelegene Primary School. Im Rahmen des Schulbesuchs und mehreren Hausbesuchen wurden Kennenlernspiele, Gespräche, Interviews, Musikaufnahmen und Videoaufnahmen durchgeführt. Nach einer Woche wechselten wir den Standort in das etwas südlicher gelegene Musoma. Von hier aus besuchten wir eine weitere Primary School. Auch dort fanden Haus- und Schulbesuche statt, es wurden Interviews geführt und Musik- und Videoaufnahmen gemacht. Wichtig und sehr eindrücklich waren neben den geplanten Besuchsterminen aber auch zufällige Begegnungen und Ereignisse mit den Menschen vor Ort. Grace Mwasuka, unsere Reiseleiterin, eine kluge und selbstbewusste afrikanische Frau, war uns eine wertvolle Hilfe und Unterstützung auf ganzer Linie und löste geduldig alle schwierigen Situationen, die sich hin und wieder ergaben. Auch unser Fahrer Juma ließ sich in den Wochen nicht ein einziges Mal aus der Ruhe bringen und hat uns die über 2000km Wegstrecke unter schweren bis schwierigsten Bedingungen sicher und unfallfrei zu unseren Zielen befördert. Für Pförtner, Sicherheitsleute, Polizisten und Militärs hatte er dabei immer ein freundliches Wort oder einen netten Gruß auf Lager. Weiterlesen

Musoma: Chumwi A Primaryschool, Musoma Rural – Mara Region

Am Montag waren wir nach dem Abendessen zum Abschied bei Dr. Glen Brubacker eingeladen. Es kommen in Shirati so selten auswärtige Besucher vorbei, dass man sich nach seiner Ankunft wie selbstverständlich bei den Honorationen des Orts vorstellt und vor der Abreise auch wieder verabschiedet. Brubacker empfing uns in seinem Bungalow, bot Mandarinen, Zartbitterschokolade und Instantkaffee an und wir tauschten uns aus. In seinen 30 Lebensjahren in Shirati hat er viel erlebt und etliche Entwicklungen aktiv begleitet. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen und den Veränderungen der Lebensumstände, so wie er sie erlebt hat. Das Hospital und die medizinische Versorgung spielen dabei eine tragende Rolle, Projekte werden von ausländischen Initiativen und Organisationen (z.B. DAHW) angestoßen und teilfinanziert. Auf diese Weise wurde über Jahre und Jahrzehnte hinweg ein wichtiger Beitrag dazu geleistet betroffenen Menschen und deren Familien ihr Leben zu erleichtern. Später stieß noch Dr. Bwire Chirangi zu unserer Runde, bedankte sich persönlich für die Hilfe aus Deutschland und verabschiedete sich in aller Form. Wir waren vom selbstlosen Engagement der beiden tief beeindruckt. Weiterlesen