Foto: Videodreh mit Roland Völker (2019)

Am heutigen Freitag wurde ein neues Musikvideo von/für den Ukulelespieler Roland Völker abgedreht. Der Mastermix des Audios wurde gerade fertiggestellt. Nun folgt noch der Videoschnitt, das Video sollte bis Anfang April veröffentlichungsfertig sein. Stay tuned!
(l-r: Roland Völker, Camilo Goitia, Dennis Schütze. Foto: Selbstauslöser)

Video: „Stop selling Music!“ von Damian Keyes

Zeiten, Kultur und Vertriebswege ändern sich: „Stop selling Musik!“ ist eine provokante These des meinungsstarken, britischen Musikmanagers Damian Keyes. Er liefert eine nachvollziehbare Begründung und die deckt sich mit meinen persönlichen Erfahrungen der letzten Jahre. Am Ende erscheint die These gar nicht mehr provokant, sondern klug, zeitgemäß und vernünftig.

Recording: Rhythm Section (KW09/2019)

Mitte Februar habe ich mich zwei Tage in ein Studio eingebucht und alle elektrischen Rhythmusgitarren für das kommende Dennis Schütze-Album eingespielt und selbst aufgenommen. Das Material habe ich eine Woche liegen lassen, durchgehört und kann sagen, dass sich die Idee zwei Röhrenverstärker plus Line-Signal simultan aufzunehmen gelohnt hat. Gefällt mir als grober Mix sehr gut (Amps hart links/rechts, teilweise Line-Signal mit Ampsimulation leicht neben der Mitte) und strotzt definitiv vor roher Kraft. Teilweise so sehr, dass ich mich noch dran gewöhnen muss.

An diesem Wochenende habe ich nun an zwei Tagen die E-Bässe für acht Songs eingespielt, jeweils ca. 4-5 Takes. Fender Jazz Bass ohne Effekte oder externe Verstärkung direkt als Line Signal, bei den anderen Songs kommt Kontrabass zum Einsatz. Die für die Vorproduktion mit Samples eingespielten, Midi-gesteuerten Basslinien wurden musikalisch optimiert und komplett durch echte E-Bässe ersetzt, das klingt in Verbindung mit den Gitarren richtig fett. Die Rhythmusgruppe aus E-Gitarren, E-Bass und Schlagzeug ist also komplett eingespielt, jetzt fehlen nur noch amtliche Gesänge, Sologitarren und Background Vocals als letztes i-Tüpfelchen. Freue mich schon darauf das im Laufe der nächsten Wochen anzugehen. Bis Ende März sollte alles eingespielt/-gesungen sein und es kann in den Mix gehen.

Es stehen sich jetzt sehr kantige Blues/Indierock-Nummern und sanfte akustische Songwriter-Songs gegenüber. Wie das im Tracking für das Album zusammengestellt werden soll, muss noch entschieden werden, wird vermutlich nicht einfach, vielleicht aber auch schon, weil es nicht allzu viele Möglichkeiten gibt. Und von den Produzenten von Elvis Presley über Lynyrd Skynyrd bis Jack White wurde diese spezielle Herausforderung schließlich auch gelöst. Mit der klassischen Satzfolge schnell – langsam – schnell bzw. laut – leise – laut ist man vermutlich gut beraten.

Aber erstmal abwarten wie Gesänge und Solos die Tracks noch veredeln, meist nehmen sie in dieser Phase noch einmal eine unerwartet andere Gestalt an.

Album: „Echo Chamber“ von The Strange

„Echo Chamber“ ist der unerwartete Nachfolger von The Stranges Debütalbum „Nights of Forgotten Films“ (2004), einer Kollaboration der kroatischen Surf-Rock Band The Bambi Molesters mit dem US-Singer-Songwriter Chris Eckman von den Walkabouts.

Das Album bietet, wie bereits das Debut, klassisches Americana zwischen Lee Hazlewood, Ennio Morricone und Calexico. Es wurde aufwändig arrangiert und instrumentiert, viele Musiker waren an den Aufnahmen beteiligt. Neben der Rhythmusgruppe erklingen verhallte Twang-Gitarren, stimmige Bläsersätze und üppige Streicherflächen. Alles sehr fett, breit und weitläufig. Insgesamt geschmackvoll aufeinander abgestimmt, nur hat man das Gefühl alles schon einmal irgendwo gehört zu haben. Eine Neuerfindung, die dem Genre irgendetwas neues hinzufügen würde, ist das nun wahrlich nicht, könnte genauso gut bereits kurz nach dem Debut vor 15 Jahren entstanden sein oder auch irgendwann in den späten 1960ern. Selbst die Songtitel klingen wie am Reißbrett entworfen, wie eine spontane Brainstormingsession aller Beteiligten: Lonesome Rider, Killing Time, Broken Town Blues, Fast Train to Nowhere, Lights of Red Valley. Was einem halt so einfällt, wenn man die Weite der amerikanischen Plains in griffige Überschriften fassen will.

Musikalisch wurde alles inspiriert und auf höchstem technischen Niveau aufbereitet. Die kroatische Begleitband klingt amerikophiler als mancher wirkliche Amerikaner. Die klangliche Palette der 60er-Noir-Sounds haben sie in allen Nuancen durchdrungen und können sie für diese Aufnahmen mühelos zum Leben erwecken. Eckman singt dazu non-chalant und unaufgeregt, fast schon nicht-sängerisch, eher wie ein einfacher Saisonarbeiter, der die Woche über eigentlich wichtigere Arbeit zu verrichten hat.

Das straffe Album (10 Tracks, 44 Min. Laufzeit) startet mit dem stimmungsvollen und düsteren Titelsong „Lonesome Rider“ und wird im weiteren Verlauf ähnlich fortgesetzt, nach einem Komplettdurchlauf wirkt es durchgeplant, fast schon konzeptartig, also wie mehr als die Summe seiner Einzelnsongs. Das CD-Album kommt im wertigen Digipack und enthält alle Songtexte zum Mitlesen/-singen auf einzelnen Pappkärtchen, ein passendes Sammelsurium in Schwarz-, Grün- und Brauntönen.

Hier die Videos „Last Summer Song“ & „Dime a Dozen“. Eine Tour folgt wohl im Frühjahr 2019, auf der Homepage der Band sind noch keine Termine angekündigt.

The Strange: Last Summer Song

The Strange: Dime a Dozen

Recording: Stu-, Stu-, Studio (2019)

Nach etlichen Soundstudies mit neuer Gerätschaft und Effektwegen wollte ich die E-Gitarren für das neue Dennis Schütze-Album eigentlich, so wie alles andere auch, bei mir zuhause aufnehmen. Wohnzimmer als Regieraum, durch den Flur gekabelt, Verstärker in der Küche, technisch war das alles schon durchgeplant. Nur merkte ich im Verlauf der Soundstudies, dass ich irgendwie gehemmt war, ganz anders als sonst, wenn ich singe oder akustische Gitarren einspiele. Obwohl die Wohnung unter mir nahezu immer leer steht und die Mieter in der Wohnung über mit schwerhörig sind, fühlte ich mich unwohl, abgehört, hatte definitiv Ladehemmung und immer den Eindruck gleich klingelt es und jemand wird sich beschweren. Allein die Vorstellung ich würde zwei vollaufgedrehte Amps in der Küche brüllen lassen und zwei geschlossene Türen weiter mit Kopfhörern auf meine Gitarre eindreschen, beklemmte mich. Es dauerte dann immer noch einige Wochen bis ich mir eingestand, dass es so nicht funktionieren konnte. Ich brauchte stattdessen einen Freiraum, wo ich ungestört Lärm machen könnte. Also kontaktierte ich ein regionales Studio mit der ungewöhnlichen Bitte, dass ich zwar das Studio, aber keinen Tontechniker und auch kein technisches Equipment anmieten wollte. War dann gar kein Problem, an zwei Tagen, an denen sowieso keine Buchung bestand, durfte ich rein und das war am Fr & Sa letzter Woche.


Los ging es am frühen Nachmittag: E-Gitarren, Verstärker, Effektgeräte, Kabel, Mikros und iMac wurde verladen und ins Studio gefahren, dort aufgebaut. Mit dabei waren Danelectro, Gibson ES 335, Fender Stratocaster und Fender Telecaster (letztere kamen beide nicht zum Einsatz), dazu Vox AC 30 und Fender Hot Rod Deluxe. Aufbau ging schnell und verlief problemlos, um 14.00 war ich startklar. Hatte mir vorab schon eine Reihenfolge der Songs zurechtgelegt. Vor der Aufnahme wurde im Aufnahmeraum Gitarre, Effekte und Verstärkereinstellung ausgewählt, dann wurden pro Take zwei Amps und das Line Signal aufgenommen. Mit Kopfhörern saß ich im Regieraum und hämmerte 4-5 Takes pro Part rein. Mit Pegeln und Fehlstarts waren das dann ca. 12-20 Anläufe. Zwischen einzelnen Songs legte ich jeweils eine Pause ein um die Ohren zu schonen und Raum für einen neuen soundtechnischen Ansatz zu schaffen. Lief auf diese Weise gut, nur waren nach 4-5h meine Ohren und meine Aufmerksamkeit komplett verbraucht und zerschossen. Bis dahin hatte ich immerhin drei komplette Songs mit zum Teil mehreren E-Gitarren eingespielt.


Am nächsten Tag ging es wieder kurz nach Mittag auf dieselbe Weise weiter. Gitarre und Sound finden, pegeln, Aufnahme. Es waren allesamt „nur“ Rhythmusgitarren, nichts solistisches, deswegen ging es nicht in erster Linie um inspirierte Ideen, die Parts waren schon vorab komplett ausgearbeitet worden und liefen mit jedem Durchlauf besser und besser, weil ich der klassische Last Taker bin (im Gegensatz zum First Taker, dessen Performance im Verlauf sukzessiv schlechter wird). Im Vorfeld hatte ich noch die Befürchtung, dass ich mich im Studio nicht bzgl. Sound und Einstellung entscheiden können würde, war dann aber gar nicht so schwer. Bei einigen wenigen Songs habe ich zwei Gitarrentypen oder Effekte zur späteren Auswahl eingespielt. Mit Sonnenuntergang am Sa war die Arbeit, die ich mir vorgenommen hatte getan. Am Freitag die Parts für drei Songs, am Sa die Parts von vier weiteren Songs (die anderen Songs des Albums kommen ohne E-Gitarren aus). Das Ergebnis kann ich noch nicht beurteilen, muss erst mit Abstand wieder reinhören und kann erst dann ein Urteil fällen, habe aber ein gutes Gefühl, zumindest war die eingangs beschriebene Hemmung komplett weggeblasen.

Bald folgen amtliche Gesänge, E-Bass und einzelne E-Gitarren-Solos. Das Album nimmt langsam klangliche Gestalt an.

Soundstudies (2019)


Gitarren: Fender Stratocaster (Mex), Danelectro DE56
Treter: POG, POG2, Little Big Muff, Big Muff OP Amp, Octavix, Soul Food, Lehle Splitter
Amps: VOX AC 30, Fender Hot Rod Deluxe

Aktuelle Lieblingskettung:
POG – Little Big Muff – VOC AC 30
Big Muff OP Amp – Fender Hot Rod Deluxe

Nach 45 Min noch keinerlei Beschwerden der Nachbarn. Doch noch zu leise?
Let the production begin!