Simon-Philipp Vogel über „James Bond 007“

Von Simon-Philipp Vogel

Als das Coronavirus noch verschwindend klein war – quasi in der Prä-Corona Zeit – entschied sich Dennis Schütze einem Wunsch, den er schon lange hegte nachzugehen. Am Horizont zeichnete sich der Release des neuen James Bond Filmes ab und Schütze wollte seine persönliche, musikalische James Bond Hommage zum Filmstart präsentieren.
Nun leben wir im März 2020 in der Corona-Krise und Filmstudios treffen (die wohl einzig richtige) Entscheidung und verschieben die Veröffentlichung Ihrer Werke. “Was nun?” fragte sich da auch Dennis Schütze. Doch der Vollblutmusiker tat das, was man eben so tut: Er veröffentlichte sein Werk trotzdem und packte dazu noch eine Videoproduktion hintendran – hervorragend!

Elf Tracks hat das Album “James Bond 007”, wobei der aktuelle Song von Billie Eillish “No Time to die” zweimal auf der Platte vertreten ist. Einmal als stimmungsvolles Instrumental (hier zum Video), einmal mit Schützes Gesang. Die Tracks sind allesamt wohlbekannt und gewohnt klangvoll in Zusammenarbeit mit Jan Hees produziert. Dabei machte der Musiker auch nicht von fordernden Stücken, wie etwa Adeles “Skyfall” halt, dass er überraschend souverän zu singen weiß. Insgesamt zeigt Schütze, dass er gerade die weiblichen Originale treffend interpretieren kann. Weder das so prägnante “Goldeneye” von Tina Turner wirkt unpassend, noch das fünfzig Jahre alte “Goldfinger”, gesungen von Shirley Bassey, mit seinem charmanten sechziger Jahre Flair, wirkt unbeholfen. Dennis Schütze weiß, was er kann und setzt bewusst darauf, die Lieder für sich zu interpretieren und nicht eine vage Kopie des Originals zu produzieren. Das ist wichtig und richtig, haben sich doch die Originale so sehr ins kollektive Gedächtnis eingeprägt, dass gezwungene Coverversion schnell peinlich wirken. Mein persönlicher Favorit des Albums ist “Another Way to Die” von Jack White und Alicia Keys. Hier hat sich Dennis Schütze mit Sandra Buchner noch eine markante Frauenstimme zum Duett geholt und das Ergebnis ist schlicht großartig. Ebenfalls super: Der Opener “No Time to die”.

Das Album “James Bond 007” von Dennis Schütze ist eine durchweg gelungene musikalische Hommage an den weltbekannten Agenten mit der Lizenz zum Töten. Ob ich mit den neuen James Bond tatsächlich im Kino ansehen werde, ist zwar fraglich. Die Musik zu den Filmen wird die nächsten Tage aber in meiner persönlichen Setliste häufiger auftauchen.

Erhätlich ist das Album bei iTunes, Amazon, spotify

Buch: „Ein Coffee to go in Togo“ von Markus Maria Weber

Markus Maria Weber, Jahrgang 1981, ist Unternehmensberater und nimmt ein Wortspiel allzu wörtlich (to go / Togo). 2012 beschließt er mit dem Fahrrad in das westafrikanische Land Togo zu fahren um dort einen Kaffee to go zu trinken. Die Kaffeefahrt ist allerdings nur ein Vorwand. Tatsächlich ist der gerade mal 30-jährige ausgebrannt von seinem Job und genervt und gelangweilt von den damit verbundenen Routinen: Berufspendelei, Kollegen, Kundengespräche, Vorgehensschablonen, Ortswechsel. Die einzige Erleichterung bei diesen täglichen Deja-vus verschafft ihm der regelmäßige Coffee to go, aber woher kommt der eigentlich, na schauen wir mal, so in etwa wird im Buch die Idee zur Fahrradreise wenig tiefgründig hergeleitet. Weiterlesen

Mainpost über „One Man Band“

Dennis Schütze spielt Americana als „One Man Band“

Von Karl-Georg Rötter

Würzburg – Der Würzburger Singer/Songwriter Dennis Schütze setzt auf seinem neuen Soloalbum auf bekanntes Repertoire und interpretiert auf „One Man Band“ Lieder aus dem anglo-amerikanischen Songbook. Manches ist bekannter wie Melanies „Brand New Key“, das auch ohne die markante Stimme von Melanie gut funktioniert, oder John Sebastians „Daydream“. Programmatisch eröffnet das Album, das nur als Download und Stream erhältlich ist, mit Leo Sayers „One Man Band“. Hier, wie auf den restlichen Songs, spielt Dennis Schütze akustische Gitarre, singt (manchmal auch als Chor) und garniert die Songs mit Percussion, Bassdrum, Mundharmonika und Ukulele.

Der bekennende Fan des im Alter von nur 30 Jahren tödlich verunglückten US-Liedermachers Jim Croce hat ein eher unbekanntes Stück seines Idols für das neue Album ausgewählt und kommt bei „The Hard Way Every Time“ vor allem gesanglich dem Idol sehr nahe. „Daydream“ von John Sebastian verpasst Schütze ein Goodtime-Feeling und den Klassiker „Freight Train“ interpretiert er auf der Gitarre als Instrumental. Vor dem hierzulande weniger bekannten US-Singer/Songwriter Steve Goodmann hat sich Dennis Schütze den Song „I don’t know where I’m going but I’m going nowhere in a hurry to“ ausgesucht – ein entspannter Country-Song. Auch der Schotte Rab Noakes ist wohl eher nur Spezialisten bekannt. Sein „Take this Letter“ ist eine echte Entdeckung, Dennis Schütze singt seinen Chor gleich selbst. „Walk right in (sit right down)“ von den Rooftop Singers wurde 1963 ein Nummer-Eins-Hit in den USA und die Interpreten damit ein klassisches One-Hit-Wonder. Schütze interpretiert die Hymne an den Müßiggang ganz entspannt und mit fröhlicher Lässigkeit. Als „Rausschmeißer“ des leider nur 25 Minuten kurzen und äußerst kurzweiligen Albums gibt es mit „Is it okay if I call you mine?“ noch eine wunderschöne Ballade, bei der es sich lohnt, auf den Text zu hören.

„One Man Band“ bietet eine kompetente Songauswahl, die von Dennis Schütze gewohnt stilsicher und unterhaltsam dargeboten wird. Kann man sich auch ein paarmal hintereinander anhören.

Buch: „Im Land der kaputten Uhren“ von Miriam Spies

Miriam Spies, Jahrgang 1982, stammt aus Mainz und studierte Germanistik und Kulturanthropologie. 2017 erschien die interessante Bandbiografie „Das ist DAF“, an der sie zusammen mit anderen mitgeschrieben hat. Nun hat sie mit „Im Land der kaputten Uhren“ einen langwierigen Bericht über eine chaotische Rundreise in Marokko geschrieben. Es ist ein durchwachsenes Debut. Miriam Spies nennt ihre Reise einen Roadtrip, allerdings mit viel Road und wenig Trip. Sie ist von Anfang der Reise übermüdet, kränklich, erkältet, erschöpft, hungrig und pleite. Vor allem aber ist sie ahnungslos und planlos. Sie treibt und mäandert von einer marokkanischen Stadt zur nächsten, wird von Fremden im Auto mitgenommen, fährt in Überlandbussen, schläft in Pensionen, Hostels, bei Bekanntschaften und deren Familien. Sie trifft zufällig irgendwelche Freunde und Bekannte, verliert sie aber genauso unvorhergesehen wieder aus den Augen, verplempert irgendwie ihre Zeit, fährt irgendwo hin, sitzt irgendwo rum bis dort dann auch wieder genau nichts passiert. Das ist als Einstieg schon okay, aber irgendwann hätte man als Leser schon gerne mal so etwas ähnliches wie eine Handlung. Weiterlesen

Buch: „Trotz alledem“ von Hannes Wader

Der deutsche Liedermacher Hannes Wader startete seine Karriere Ende der 60er Jahre und wurde mit „Heute hier, morgen dort“ (1972) einem breiten Publikum bekannt. In den folgenden Jahrzehnten spielte er unzähliger Konzerte und veröffentlichte 35 Studio- und Live-Alben. 2018 beendetet er seine Musikerkarriere mit einer Abschlusstournee und dem Album „Macht’s gut“ (2018). Mit „Trotz alledem“ legt er nun eine umfangreiche Autobiographie vor, schaut auf sein Leben zurück. Weiterlesen

Simon-Philipp Vogel über „One Man Band“

Von Simon-Philipp Vogel
Musikeigentherapie: So nannte es Dennis Schütze auf seinem Blog, als er sein neues Album “One Man Band” ins Auge fasste. Es war eine Gefühlsmixtur aus der zurückliegenden Afrika Reise, die er auf seinem Blog festgehalten hatte und der unerwarteten Freiräume, mit denen er konfrontiert war. So wählte Schütze bewusst weniger bekannte Songs, die ihn aber in seiner Jugend beeinflusst haben und gab Ihnen die typische akkustische Note. Der Opener “One Man Band” von Leo Sayer ist dabei ein Song, der perfekt zur Stimmung zu passen scheint, in der sich der Würzburger zur Aufnahme befand.

Nobody knows nor understands,
Is there anybody out there wanna lend me a hand?

Die Stücke sind allesamt wohl ausgesucht – wahrscheinlich aus dem Gefühl des Momentes – und reihen sich wunderbar aneinander. Schütze, bekennder Jim Croce Fan, ließ es sich nicht nehmen und platzierte mit “The hard way every time” auch einen Song des viel zu früh verstorbenen Folksängers. Auch hier lässt es einen nicht los, die ein oder andere Zeile mit der Vergangenheit zu vergleichen, die der Musiker so schön auf seinem Blog beschrieben hat.

But in looking back at the places I’ve been,
The changes that I’ve left behind,
I just look at myself to find,
I’ve learned the hard way every time

Die Stimmung wechselt, wenn “Daydream” von The Lovin Spoonful aufkommt und eine humoristische Note dem Album verleiht. Schütze begleitet sich selbst “kaspernd” im Hintergrund, während er den fröhlichen, verträumten Song darbietet. Die Platte endet mit dem Country Blues “Walk right in” von “The Rooftop Singers”. Der Song verabschiedet den Hörer in gut gemeinter Schütze Manier, so als wolle er sagen: “Mach dir nicht zu viele Gedanken.”

Walk right in, sit right down.
Baby, let your hair hang down

Es ist ein schönes Ende der vermeintlichen Reise, die man für das Album gerne auf sich nimmt.

Noten: „Prélude ‚Silvius Leopold Weiss‘“ von Manuel M. Ponce, Johannes Klier (Hg.)

Die Herkunft dieses Préludes gab Gitarristen mehrerer Generationen Rätsel auf. Mit seiner historisch-kritischen Ausgabe bringt der Münchner Gitarrist und Musikhistoriker Johannes Klier ein knappes Jahrhundert später Licht ins Dunkel.

Populär wurde das barock anmutende Prélude durch den spanischen Jahrhundertvirtuosen und Gitarrenförderer Andrés Segovia, der es jahrelang im Repertoire hatte und auf dem Album Récital (1958) als Prelude in E Major einspielte und verewigte. Zugeschrieben hatten er selbst und die Plattenfirma es dem deutschen Barocklautenisten Silvius Leopold Weiss, nur ließ sich dafür nie ein Beweis erbringen. In Segovias Editionsreihe „Gitarren-Archiv“ (Schott) wurde das Stück bedauerlicherweise nie veröffentlicht. Im Laufe der Zeit wurde es unter Gitarristen jedoch so beliebt, dass im Jahr 1969 eine Notenausgabe mit der Transkription der Albumeinspielung, erstellt von Carl Van Feggelen, erschien. Eine zweite Transkription von Rafael Andia erschien 1982 unter dem Titel „Ouverture“. Beide Ausgaben wurden wiederum S.L. Weiss zugeschrieben, aber es gab bereits Stimmen, die berechtigte Zweifel an dieser Angabe hatten. Weiterlesen

Buch: „Der junge Doktorand“ von Jan Peter Bremer

Für seinen letzten Roman „Der amerikanische Investor“ (2011) erhielt Jan Peter Bremer diverse Literaturpreise. Sein aktueller Kurzroman „Der junge Doktorand“ (2019) gelangte im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Es handelt sich dabei im Grunde um ein bescheidenes Kammerspiel in Prosaform. Ein alter Künstler und seine Ehefrau empfangen den lang angekündigten Besuch eines jungen Mannes, der vermeintlich über das Leben und Werks des Künstlers forschen und später schreiben will. Schnell stellt sich heraus, dass das in Wirklichkeit gar nicht der Fall ist, sondern es sich nur um einen Besuch aus Freundlichkeit handelt. Eigentliches Thema ist das Verhältnis der Figuren zueinander, insbesondere die Beziehung zwischen Herrn und Frau Greilach. Hier tun sich zum Teil Abgründe von Gehässigkeit und Peinlichkeit auf, dazwischen steht der junge Mann, der die gesamte Geschichte über wortkarg und blass bleibt und lediglich als Auslöser der Geschehnisse fungiert. Weiterlesen

Noten: „Piano Book for Christmas Nights“ von Quadro Nuevo & Susi Weiss (Arr.)

Das Notenheft „Piano Book for Christmas Nights“ (2019), das im Namen der bayerischen Weltmusik Formation Quadro Nuevo erscheint, bietet eine Auswahl von internationalen Weihnachtliedern, die von dem Quartett auf den Alben „Weihnacht (2009), „Bethlehem“ (2013) und „Music for Christmas Nights“ (2016) eingespielt wurden. Die Pianistin Susi Weiss hat dafür eine persönliche Auswahl von weihnachtlichen Melodien aus Spanien, Polen, Russland, Frankreich, Schweden, aus den USA und von den Britischen Inseln, aus Deutschland und aus den Alpen für Soloklavier arrangiert. Weiterlesen

Noten: „Play Guitar Erste Weihnacht“ von Michael Langer (Hg.)

„Play Guitar. Erste Weihnacht“ ist eine Sammlung von 24 Weihnachtsliedern für junge Gitarristen. Sie gehört zur Reihe „Play Guitar Junior“, einer Schule für klassische Gitarre für Kinder. Der Clou an dieser Zusammenstellung ist, dass sie für Anfänger im ersten Lernjahr konzipiert wurde. Die ersten Stückchen beginnen wie die meisten deutschen Gitarrenschulen im Fünftonraum (g1-d2). Von da aus werden Stück für Stück weitere Töne dazu genommen und der Tonraum behutsam erweitert (e2, d1, g2, usw.). Weiterlesen