Über äußere Umstände

„People are always blaming their circumstances for what they are. I don’t believe in circumstances. The people who get on in this world are the people who get up and look for the circumstances they want and if they can’t find them, make them.“

George Bernard Shaw (1856-1950), “Mrs. Warren’s Profession” (1893), act II

Über Kölner Musiker

„… den Buben, so die Antiphonen singen, soll man mit etwas das Maul stupfen; Es ist unmöglich zu glauben: Sie singen absolute gar nicht, sondern sie schreyen, wie abgefeimte Gassen Spitzbuben aus vollem Halße, als wenn sie närrisch wären.“

Brief: Leopold Mozart (17. Oktober 1763)

Über Postkolonialismus

„Die Europäer haben diese Völker in manchen Gegenden jäh aus einem ausgeglichenen, primitiven Leben herausgeholt, in anderen Ländern haben sie sie von Sklaverei, brutalen Stammeskriegen, Hungersnöten und Seuchenelend erlöst. Man kann aber nicht Menschenmassen, die zu 98% aus Schreibunkundigen bestehen, sich auf einmal demokratisch selbst regieren lassen. Dann werden sie einer Korruptionsclique von Häuptlingen, Kaufleuten und Levantinern ausgeliefert, die sie ausbeuten. Schließlich haben wir Europäer uns ja auch nicht in einigen Jahrzehnten zu Demokraten entwickelt, sondern in Jahrhunderten oder einem Jahrtausend, und es hat alle Übergangsformen gegeben, vom Wahlkönigtum bis zum preußischen Dreiklassenwahlrecht. Solange diese Menschen eines Kolonialvolkes nicht wenigsten zur Hälfte lesen und schreiben können, solange nicht Zehntausende davon zu Ärzten, Richtern, Technikern, Verwaltungsbeamten, Landmessern, Tierärzten, Lehrern, Krankenpfleger, Straßenbauern, Tropenlandwirten, Grubenfachleuten, Forsttechnikern, Brückenbauern, Eisenbahnern und Funktechnikern ausgebildet sind – so lange kann man ihnen nicht innerhalb kurzer Jahre die zivilisatorischen Einrichtungen eines modernen Kolonialwesens zur Selbstverwaltung überlassen, ohne sie ins Unglück zu führen. Ich weiß, dass viele Europäer und viele Farbige das Gegenteil befürworten, weil es sich im korrupten Durcheinander einer Scheinverwaltung gut leben und noch besser verdienen lässt.

Es ist auch nIcht damit getan, dass man jetzt in den Kolonien schnell Universitäten gründet, die viele Lehrer und fast gar keine vorgebildeten Studenten haben. Die farbigen Länder brauchen Volksschullehrer und Zehntausende von Schulen, nach zehn Jahren Tausende von Mittelschulen, dann Oberschulen und schließlich Universitäten. Wer den schwarzen und den farbigen Menschen als Mitbruder ehrt und liebt, der darf die einmal begonnene Arbeit jetzt nicht missmutig niederlegen, auch wenn er von den Schwarzen und ebenso von den Weißen in der Heimat dazu gedrängt wird. Man darf das Wahlrecht und das Recht der Mitsprache im Staat nicht von der Hautfarbe abhängig machen, wohl aber davon, ob jemand lesen und schreiben kann, und von dem, was er gelernt hat. Dann gelten die gleichen Gesetze für Schwarz und Weiß, und die Afrikaner werden so bald oder so spät mitregieren, wie sie es wirklich können.“

Bernhard Grzimek: „Serengeti darf nicht sterben“, 1959, S. 192.

Über die Ostseite des Victoriasees

„In den achtziger Jahren (1880er) reiste noch der deutsche Arzt Dr. G. A. Fischer in die Gegend des Victoriasees. Er konnte auf der menschenleeren Ostseite des Victoriasees, wo auch die Serengeti liegt, so schwer Nahrung auftreiben, dass er durch die Strapazen bald nach der Rückkehr starb. Ein ebenso sorgfältiger Beobachter war der Engländer Joseph Thomson, nach dem die hübschen gelb-schwarz-weißen Thomson-Gazellen benannt sind. Thomson und Fischer waren für eine lange Weile die letzten wirklichen Forschungsreisenden in Ostafrika. Wer später kam, hatte meistens geheime Nebenabsichten.“

Bernhard Grzimek: „Serengeti darf nicht sterben“, 1959, S. 108.

Über Akkordeons

“ […] Überhaupt bietet das Akkordeon unter dem Gesichtspunkt „Kompaktheit/Mobilität“ deutliche Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Instrumenten. Ein normales Akkordeon kann man in den Rucksack stecken und im öffentlichen Nahverkehr, auf dem Fahrrad oder auf Wüstenexpeditionen mitnehmen und ohne Elektrizität abseits der Zivilisation in beachtlicher Lautstärke erklingen lassen. Das Instrument ist aus Holz, Pappe Filz, Leder und ein paar Metallteilen hergestellt, es erzeugt keinen Problemmüll oder Elektronikschrott. Frustrierten Musikern, die ihr Akkordeonkarriere irreversibel beenden wollen, bietet ihr Instrument die Möglichkeit für ein ca. 30-minütiges Lagerfeuer. […]

Die großen Modelle wiegen über 10 kg, das ist schlecht für den Rücken. Das Akkordeon hängt vor dem Bauch. Das ist schlecht für die Silhouette. Im Dunkeln sieht ein Akkordeonist aus, wie ein Mann, der zwei Kisten Bier trägt. […]“

„Bedienungsökonomische Betrachtung des Akkordeons“ von Ralf Schuster in: „Wie wichtig ist das, was ich zu sagen habe?“ (Anhang 1, MuPo 033, 2019), erhältlich auf Bestellung direkt beim Autor.

Über Songschreiber

“ […] Die Leute, die am meisten wie Genies wirken, sind gar keine. Sie kommen einfach besser mit dem Scheitern klar. Sie versuchen es öfter und härter als andere, und so stolpern sie über mehr Songs. Es ist ziemlich einfach. Wer keinen Stift zur Hand nimmt, wird niemals Gedichte schreiben. Wer keine Gitarre zur Hand nimmt und es nicht jeden Tag wieder versucht, wird nicht sonderlich viele großartige Songs schreiben. Wenn du nicht fragst, ist die Antwort immer Nein.“

Auszug aus „Let’s go (so we can get back). Aufnehmen und Abstürzen mit Wilco.“ von Jeff Tweedy, übersetzt von Tino Hanekamp, Kiepenheuer & Witsch, 2019