Über Akkordeons

“ […] Überhaupt bietet das Akkordeon unter dem Gesichtspunkt „Kompaktheit/Mobilität“ deutliche Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Instrumenten. Ein normales Akkordeon kann man in den Rucksack stecken und im öffentlichen Nahverkehr, auf dem Fahrrad oder auf Wüstenexpeditionen mitnehmen und ohne Elektrizität abseits der Zivilisation in beachtlicher Lautstärke erklingen lassen. Das Instrument ist aus Holz, Pappe Filz, Leder und ein paar Metallteilen hergestellt, es erzeugt keinen Problemmüll oder Elektronikschrott. Frustrierten Musikern, die ihr Akkordeonkarriere irreversibel beenden wollen, bietet ihr Instrument die Möglichkeit für ein ca. 30-minütiges Lagerfeuer. […]

Die großen Modelle wiegen über 10 kg, das ist schlecht für den Rücken. Das Akkordeon hängt vor dem Bauch. Das ist schlecht für die Silhouette. Im Dunkeln sieht ein Akkordeonist aus, wie ein Mann, der zwei Kisten Bier trägt. […]“

„Bedienungsökonomische Betrachtung des Akkordeons“ von Ralf Schuster in: „Wie wichtig ist das, was ich zu sagen habe?“ (Anhang 1, MuPo 033, 2019), erhältlich auf Bestellung direkt beim Autor.

Über Songschreiber

“ […] Die Leute, die am meisten wie Genies wirken, sind gar keine. Sie kommen einfach besser mit dem Scheitern klar. Sie versuchen es öfter und härter als andere, und so stolpern sie über mehr Songs. Es ist ziemlich einfach. Wer keinen Stift zur Hand nimmt, wird niemals Gedichte schreiben. Wer keine Gitarre zur Hand nimmt und es nicht jeden Tag wieder versucht, wird nicht sonderlich viele großartige Songs schreiben. Wenn du nicht fragst, ist die Antwort immer Nein.“

Auszug aus „Let’s go (so we can get back). Aufnehmen und Abstürzen mit Wilco.“ von Jeff Tweedy, übersetzt von Tino Hanekamp, Kiepenheuer & Witsch, 2019

Über Nichtstun

Vater: „Es wäre sinnvoll, wenn die Leute öfter ihre Smartphones zur Seite legen und stattdessen einfach mal nichts tun.“

Sohn: „Wenn ich in meinem Zimmer bei den Hausaufgaben sitze, mache ich ganz oft nichts und dann kommst du und unterbrichst mich.“

Über Berufung

„[…] Der merkwürdige und unglückselige Begriff der ‚Berufung‘ kam erstmals zur Zeit des Mittelalters in einem christlichen Kontext in Umlauf und meinte die Reaktion eines Menschen auf die unvermittelte Begegnung mit der strikten, inneren Anweisung, sich gänzlich den Lehren Jesu zu widmen. […] eine weltliche Version dieses Begriffs [hat] sich bis in unsere moderne Zeit erhalten und tendier[t] dazu, uns mit der Erwartung zu foltern, Sinn und Zweck des Lebens würden sich in uns zu irgendeinem Zeitpunkt in so vollends ausgereifter und unbezweifelbarer Gestalt offenbaren, dass wir auf immerdar gegen jegliche Verwirrung, gegen Neid oder Bedauern gefeit seien.“

Buch: „Freuden und Mühen der Arbeit“ von Alain de Botton, Fischer, S. 118

Über geistige Deformation

„[…] Im vierten vorchristlichen Jahrhundert beschrieb Aristoteles eine Einstellung, die mehr als zwei Jahrtausende Bestand haben sollte, als er auf die strukturelle Unvereinbarkeit von Zufriedenheit und bezahlter Arbeit hinwies. Wer unter finanzieller Bedürftigkeit litt, stand für den griechischen Philosophen auf einer Stufe mit Sklaven und Tieren. So gewiss wie eine merkantile Gesinnung führte auch körperliche Arbeit zu geistiger Deformation. Nur ein Privatvermögen und ein Leben in Muße gestatteten es dem Bürger, die höheren Freuden der Musik und Philosophie in adäquater Weise genießen zu können.“

Buch: „Freuden und Mühen der Arbeit“ von Alain de Botton, Fischer, S. 110