Das Würzburger U&D und ich

Kaum redet man mal 10 Jahre auf Ralf Duggen und andere Vertreter des U&Ds in Würzburg ein, da wird auch schon reagiert. So zu lesen im Vorwort des aktuellen U&D-Programmhefts, das bereits vorab online erschien. Darin wird erklärt:

„Das U&D 2013 wird anders aussehen. […] Die Änderungen waren weder ganz freiwillig noch machten sie Spaß. Der Hintergrund: das U&D 2012 endete trotz ganz ordentlichem Wetter mit einen sehr unangenehmen Defizit. Weckruf. So geht’s nicht weiter. […] [weil] wir uns mit „höher, weiter, mehr und mehr“ verrennen. […] [Es] drohen künftig steigende Kosten (Stichwort „GEMA“) und wir haben eine Neuregelung für die auftretenden Künstler beschlossen, denn die alte Mischkalkulation („Ihr spielt gegen Erstattung der Unkosten und verdient am Merchandisingverkauf“) funktioniert immer weniger. Daher bekommen Berufsmusiker ab sofort eine kleine Pauschale – zusätzlich zu ihren anfallenden Unkosten. […]“ (Auszug, vollständige Fassung unter: http://www.umsonst-und-draussen.de/vorwort.html)

Der oben erwähnte Austausch zwischen Ralf Duggen und mir fand tatsächlich immer wieder und über Jahre in vielen persönlichen Gesprächen statt und fand einen vorläufigen Höhepunkt im Feb 2013 als ich in diesem Blog über die Umstände der überraschenden Absetzung der Talentshow „Drei Songs“ berichtete, die ich mitinitiiert und einige Jahre moderiert hatte. In einem Kommentar formulierte ich dann die Forderung nach einem klaren Bekenntnis zur Regionalität und einer wenigstens symbolischen Entlohnung der Musiker, die das Programm bestreiten. Und siehe da: Genau das passiert jetzt, muss also damals schon wenigstens intern längst im Gespräch gewesen sein, obwohl man mich im weiteren Verlauf ziemlich unverhohlen als unbelehrbaren Querulanten einstufte und deswegen jede weitere Diskussion oder Auseinandersetzung mit dem Thema in der Öffentlichkeit verweigerte. Bestrafung war zu dem Zeitpunkt bereits erfolgt (Absetzung von „3 Songs“, inakzeptable Auftrittszeiten für meine Band).

Nur schade, dass Ralf Duggen und der U&D-Verein nicht von Argumenten überzeugt wurden. Entscheidend war – wie so oft bei politischen Veränderungen – die schlechte Etatlage, die aufgrund von Misskalkulation (U&D 2012: gutes Wetter, keine Gagen, trotzdem mehr Ausgaben als Einnahmen) eine reduzierte Neuaufstellung erzwungen hat. Ich vermute an dieser Stelle, dass die neue, sicher nur symbolische Zuwendung an die Musiker eine Auflage der Stadt Würzburg gegenüber dem U&D-Verein als Gegenzug für eine Erhöhung des städtischen Zuschusses ist. Habe genau diese Sachlage im Frühsommer 2012 in einem Mailwechsel gegenüber dem Würzburger Kulturreferenten Herrn Al Ghusain erwähnt als er sich mir gegenüber über die sog. „Umsonstkultur“ der Partei die Piraten echauffierte und ich ihm die Frage stellte warum dann ausgerechnet die Stadt Würzburg ein Festival unterstützt, das systematisch auf der Ausbeutung von Musikern und Bands basiert. Eine ähnliche an sich lobenswerte Neuerung (U25-Bühne) wurde meines Wissens auf vergleichbarer Basis vor einigen Jahren auch vom Bezirk Unterfranken ausgehandelt (finanzielle Förderung gegen Chancen für den musikalischen Nachwuchs der Region).

Ich freue mich zwar über diese vermutlich positive, systematische Veränderung nur sind die begleitenden Umstände nicht sehr rühmlich („unfreiwillig“) und mir persönlich nützt es leider nichts mehr, bin ich doch nach achtmaliger Teilnahme als Musiker ohne jegliche Gage inzwischen weder als Musiker noch als Moderator beim Festival präsent, in diesem Jahr vermutlich nicht einmal mehr als Besucher. Die ganze Aktion war dann insgesamt doch etwas zu unfein und ging mir zu sehr an die Substanz, als dass ich als engagierter, regionaler Indy sportlich darüber hinwegsehen könnte. Ich wünsche den teilnehmenden Bands und Musikern des U&D 2013 trotzdem viel Erfolg und trockene Füße.

2 Gedanken zu “Das Würzburger U&D und ich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.