Album: „The Commandments According to SCAC“ von Slim Cessna’s Auto Club

commandmentsMan muss sich schon damit beschäftigen wollen um herauszufinden was hier vor einem liegt bzw. was einem um die Ohren tönt. Aber lassen wir doch einfach mal Lebenslauf, zurückliegende Zusammenarbeiten und Veröffentlichungen beiseite und betrachten wir womit wir es zu tun haben. Die US-amerikanische Bandformation SCAC hat im September ein neues Album mit dem Titel „The Commandments According to SCAC“ auf dem deutschen Label Glitterhouse veröffentlicht. Federführend scheint Slim Cessna zu sein, mit Fahrzeugen hat das Album allerdings keineswegs zu tun. Auf welche Commandements sich der Titel bezieht bleibt bedauerlicherweise unklar. Sind es die zehn Gebote aus dem Alten Testament der Bücher Mose Exodus und Deuteronomium? Eine moderne Annäherung oder doch eine frei erfundene Reihe von Vorschriften? Auf dem Cover sieht man ein Foto mit zwei ölverschmierten Händen, dem Digipack liegt kein Booklet bei, weder Songtexte, noch personelle Besetzung sind abgedruckt. Songtitel gibt es auch keine, die zehn Tracks heißen alle „Commandments“ und wurden von 1-10 durchnummeriert. Dann mal reinhören.

Das Album beginnt mit einfachen Songs, unspektakulärer Gesang, Standardbesetzung A-Gitarre, E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug. Keine außergewöhnlichen Akkordfolgen, Melodien oder Arrangements, läuft so vor sich hin. Auch stilistisch ist es schwer bzw. gar nicht einzuordnen. Könnte 2016, aber genauso gut vor 10, 20 oder 30 Jahren aufgenommen worden sein. Texte wirken arbiträr, die einzelnen Songs stehen inhaltlich nicht in erkennbarer Verbindung, die Instrumentierung wechselt im Verlauf etwas, mal kommt ein Banjo dazu, dann ist Chorgesang zu vernehmen. Die Songsammlung ist aus popmusikalischer, klanglicher, gesanglicher, instrumententechnischer, songschreiberischer oder literarischer Sicht vollkommen belanglos und langweilig. Bleibt die Frage: An wen richtet sich dieses Album?

Anscheinend muss man mit Cessna’s Leben und Werk bestens vertraut sein um sein neuestes Opus einordnen und goutieren zu können. Dem Album lag ein Blatt mit Angaben über seinen bisherigen Werdegang bei, ein ziemlich verwirrendes Namedropping der unfreiwillig peinlichen Kategorie. Vermutlich bin ich ein ganz schlimmer Ignorant, aber ich hatte nach dem Hören der ersten paar Songs schon keine Lust diese hingeschmissenen Informationsfragmente zu verfolgen und zu verstehen. Ich wage mal die Prognose, dass sich nicht so wahnsinnig viele Menschen für dieses Album interessieren werden, vielleicht liege ich damit ja aber auch total falsch und habe einfach die unterschwellige Genialität der Macher nicht begriffen. Überzeugt auch selbst:

Ab Mitte September spielen SCAC einige Live-Shows in Deutschland, es sind aber offensichtlich nur repräsentative Termine in deutschen Pressestädten (Hamburg, Berlin, Dresden). Wem’s gefällt.

7 Gedanken zu “Album: „The Commandments According to SCAC“ von Slim Cessna’s Auto Club

  1. Pflichte bei!
    „Anscheinend muss man bestens mit Cessna’s Leben und Werk bestens vertraut sein um sein neuestes Opus einordnen und goutieren zu können.“
    Das wird oft vorausgesetzt, auch ist das manchmal in der bildenden Kunst so, bei der man zuweilen vieles wissen muß, um ein Werk zu verstehen und seinen Wert einzusehen. Hier handelt es sich aber nicht um bildende Kunst vergangener Zeiten, sondern um ein Erzeugnis der Musikindustrie.

    • @Berthold: Danke für den Kommentar und herzlich willkommen auf dem Blog. Der Review ist keine Abrechnung, es gibt keine persönlichen Verbindungen zu Musikern oder Label.

      Nach dem heftigen Namedropping in der Ankündigung und vorausgegangenen VÖs der Beteiligten waren die Erwartungen hoch und die Fallhöhe entsprechend tief. Selbst schon mal reingehört? Was ist ihr/dein Eindruck?

  2. Gut, hat mir (und nicht nur mir) ausgesprochen gut gefallen, besser als ich es erwartet hatte. Über die Band bin ich zufällig im letzten Jahr gestolpert, genauer über den Namen Jay Munly in einem ZEIT-Artikel, wo er nur nebenbei gefallen war. Eine Google-Suche brachten nur wenig Informationen, es tauchte der Name SCAC auf und immer wieder das Namedropping, das Sie beschreiben, das ich aber nicht anstössig finde. Es scheint mir eher der Ausdruck dafür zu sein, dass kaum Informationen über die Band vorliegen, außer eben diese Bezüge zur 16 Horsepower, Wovenhand etc., die dann immer wieder zitiert werden.
    Ich war vor wenigen Wochen auf einem Konzeit von SCAC und die sind eine echte Wucht. Und scheinen dabei noch ganz freundliche Zeitgenossen zu sein. Das Konzert war aufregend und angenehm zugleich, sicherlich eines der besten, das ich je besucht habe.
    Was hat die Band Ihnen getan, dass sie das neue Album, das man nicht mögen muss, dem sie aber nahezu jegliche Qualität absprechen, so niedermachen? Ich will Sie gar nicht überzeugen – obwohl ich bei meinen Freunden immer wieder für SCAC werben werde -, aber das Motiv für Ihre Reszension bleibt mir ein Rätsel.
    Viele Grüße,
    Berthold Eckebrecht

    • @Berthold Eckebrecht: Danke für die weiteren Ausführungen, ist immer interessant zu erfahren, wie die Sachen bei anderen ankommen. Habe mir meine eigenen Rezension gerade nochmal durchgelesen, so schlimm finde ich sie gar nicht. Was mich wirklich an Präsentation und Musik gestört hat, ist dieses kryptisch sektiererische, dieses frömmelnd, anheimelnde. Habe Sie rausgefunden was das mit den 10 Commandments auf sich hat? Was haben die Texte zu bedeuten? Hat so einen christlich-fundamentalistischen Beigeschmack, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich damit richtig liege. Offensichtlich werden die Dinge aber absichtlich im Unklaren gehalten. Das ist es, was mich auf Distanz gehen lässt.

      Ist natürlich immer hilfreich eine Band live bei einem Konzert zu erleben, das Album macht mir darauf nur leider keine große Lust.

      Damit Sie nicht denken, dass ich ein alter Miesepeter bin und immer nur meckere: Habe in den letzten Wochen einige positive Rezension zu diversen Glitterhouse-Alben geschrieben z.B. Terry Lee Hale, Hugo Race, Carolina. Evtl. ist auch der Konzertbericht aus der Fürther Kofferfabrik für Sie interessant.

      Und wenn Sie mir Albumkonzept, Songtitel und/oder Texte von SCAC erklären können, nur zu. Vielleicht ändere ich ja noch meine Meinung. HG

  3. Nee, erklären kann ich das nicht, ich bin nicht soweit in die Texte eingestiegen, vielleicht tue ich es noch. Diesen christlich-fundamentalistischen Beigeschmack hatte/habe ich auch. Vermute, das ich das kaum nachvollziehen werde. Die „Jungs“ waren auf dem Konzert nur total klasse, richtig nett, das sind keine „negerfressenden“ Südstaatler, obwohl sie manchmal doch so aussehen(aussehen wollen. Dass „die Dinge absichtlich im Unklaren bleiben“ kann ich mir gut vorstellen. Aber je mehr ich lese, mitkriege, desdo mehr möchte ich „Ungutes“ dahinter ausschließen. So ein Song wie „This How We Do Things In The Country“ ist doch eigentlich eine ironische Distanzierung. Das macht die Band aber mordsinteressant.

  4. Ich fand das video und das drumherum auch cool, da ich kryptische sachen eher interressant finde und es mich neugierig macht, texte hör ich mir meist erst später an und inhaltlich sind die bei guter musik ohnehin des öfteren grenzwertig, aber wie immer jedem tierchen sein pläsierchen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.