Mein Mediennutzungsverhalten (2017)

In den letzten zwei Wochen haben die geschätzten Bloggerkollegen Johannes Kreidler (Kulturtechno) und Stefan Hetzel (Weltsicht aus der Nische) jeweils ihr persönliches Mediennutzungsverhalten offenbart, verbunden mit dem Wunsch, dass andere dem Beispiel folgen mögen. Ich habe beide Artikel mit Interesse und Gewinn gelesen, deswegen nun quid pro quo: Im Folgenden mein persönliches Benutzerprofil.

Internet & Blogs
Meine Lieblingsseiten im Netz sind Wikipedia, Youtube, sueddeutsche.de, faz.net und einige wenige Blogs, die ich aber fast täglich verfolge. Habe RSS-Feeds nutze sie aber kaum. Mir fällt auf, dass viele Blogs und Homepages nicht mehr gepflegt werden. Das Netz nutze ich außerdem für Einkäufe: Bücher, CDs, DVDs etc. kaufe ich meist bei oder vermittelt durch Amazon. Downloads manchmal über iTunes. Musikkram seit Jahren bei Thomann, hin und wieder bei kleinen Händlern oder Ebay.

Soziale Medien: Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp
Ich war nie und bin nicht bei Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp etc. Hin und wieder werde ich darauf hingewiesen, dass das ein Fehler ist und eine Mitgliedschaft in Sachen Netzwerken und Eigenwerbung ratsam wäre. Meist sagen das lose bekannte Kollegen, die mich kaum kennen und von denen ich weiß, dass sie weniger zu tun haben und mehr Zeit verplempern als ich, deswegen nehme ich das nicht ernst. Ich schätze, dass einige meiner Freunde und Bekannten ganz locker 1-2h täglich mit FB verbringen. In der Zeit lese ich oder spiele mit meinen Kindern. Fairerweise muss ich zugeben, dass einige meiner Veranstaltungen von FB-Nutzern angekündigt und einige meiner Texte und Videos geteilt werden. Ich werte das als eine Form der Unterstützung und freue ich mich darüber.

Youtube
Sehe ich punktuell mehrmals die Woche. Meist durch einen Link in einem Blog oder weil ich ein Musik- oder Konzertvideo sehen will. Hin und wieder sehe ich auch Instruktionsvideos für Instrumente oder Studiohardware, Produktpräsentationen oder Filmtrailer. Es geht dabei immer um Information, selten um Unterhaltung.

Kommunikation: Briefe, Email & Festnetz
Briefe schreibe ich nur noch an Behörden und verschicke Konzertverträge an Veranstalter. Ansonsten fast alles per Mail, je nach Vertrauensbasis auch viele verbindlichen Vereinbarungen. Telefonieren über Festnetz tue ich gerne und lang, aber es ruft fast niemand mehr an. Wenn ich andere mobil anrufe, habe ich immer das Gefühl sie haben gerade keine Zeit und hören mir nicht richtig zu, deswegen telefoniere ich quasi nur noch mit meinen Eltern und mit Musikerkollegen in Produktionsphasen, wenn es sehr viel zu besprechen gibt.

Presse: Zeitungen & Zeitschriften
Als Printpresse habe ich seit vielen Jahren abonniert: Süddeutsche Zeitung, Rolling Stone, Neue Musikzeitung, Arte Magazin. Zeitung lese ich täglich (ca. 45-60 Min), zusätzlich online: SZ.de, FAZ.net und täglich der-postillion.de

Bücher & eBooks
Habe noch nie so viele Bücher gelesen wie in den zurückliegenden 3-4 Jahren. Und das liegt selbstverständlich an meiner Tätigkeit als Rezensent von Sach- und Fachbüchern, Reiseberichte und Romane sind auch immer wieder dabei. Buchlektüre halte ich für unersetzlich, vergleichbare Qualität und intellektuelle Tiefe findet man nicht kostenlos im Netz, das halte ich immer noch für ein Gerücht. Ich lese keine längeren Texte am Rechner, besitze keinen iPad und keinen Ebook-Reader. Ich lese vorzugsweise im Liegen und ca. 1-2h täglich, seit gut einem Jahr brauche ich eine Lesebrille.

TV
Ich schaue abends gerne TV, eine kleine Schwäche von mir. Habe Phasen in denen ich das Fernsehen komplett aus meinen Alltag verbanne, komme aber letztlich nicht ganz davon los. Bei ARD und ZDF sehe ich nur Tagesthemen, Heute Journal und Heute Show, sonst so gut wie nichts. Dafür viel BR (Lebenslinien, Wirthausmusikanten), 3Sat (Konzerte) und Arte (Tracks). Und mit meiner Tochter: DSDS & GNTM, würde ich aber vielleicht auch alleine als digitales Lagerfeuer laufen lassen. Mediatheken nutze ich fast gar nicht, die Inhalte werden zu schnell wieder aussortiert.

Foto
Habe schon immer gern und phasenweise viel fotografiert, schon immer Canon, seit 2004 digital, zur Zeit Canon Powershot G7x Mark II. Da ich kein Smartphone besitze, tendiere ich zu sehr guten und gleichzeitig kompakten Modellen, die möglichst in die Hosentasche passen sollten. Immer mehr nutze ich die Filmfunktion der Kamera auch für Konzertmitschnitte und eigene Musikvideos. Treuer Begleiter bei meinen Reisen und auch sonst ist immer noch mein SD-Kartenleser um Fotos & Filme auf den Rechner zu übertragen.

Datenträger: Vinyl, CD, DVD, Download, Streaming
Seit 2012 produziere ich keine CDs mehr, alle meine Produktionen erscheinen seitdem ausschließlich als Download und Stream. Ich kaufe aber immer noch CDs, allerdings nicht mehr so viel wir früher, aktuell vielleicht 3-4 Alben im Monat, dazu 4-5 Downloads im Jahr. Ich habe keinen Musik- oder Fernsehserienstreamingdienst abonniert, weil ich Musik nicht gerne über den Rechner im Sitzen höre und weil ich die zeitliche Ausdehnung aktueller, amerikanischer Fernsehserien ablehne. Ein Musikalbum sollte meiner Meinung nach spätestens 45 Min. zu Ende sein (one sitting), ein Film spätestens nach 100 Min. Längere Laufzeiten halte ich persönlich für eine Zumutung.

Mobil: Smartphone & Apps
Ich besitze kein Smartphone, kein Tablett und somit auch keine Apps. Manchmal bin ich ganz fasziniert von den Smartphonefunktionen meiner Mitmenschen (Wetter, Stadtplan, Shazam), aber im Grunde ist mir meine Ungebundenheit wichtiger, ich gehe gerne im Regen spazieren, verlaufe mich gerne in fremden Städten, ich höre gerne Musik, die ich nicht einordnen kann und danach nie wieder finde. Außerdem sieht, hört und schmeckt man mehr ohne Smartphone.

Kino
Früher bin ich 2-3 mal in der Woche ins Kino gegangen, heute 2-3 im Monat, vorzugsweise in OV-Fassungen, die laufen in meiner Heimatstadt aber selten. Würde auch heute noch öfter gehen, wenn nicht ständig beschissene Superheldensequels in meinem Blockbuster-Kino um die Ecke laufen würden. Das regionale Programmkino ist weit weg und Sound- und Projektionsqualität unbefriedigend. Da warte ich dann meist doch lieber die DVD-VÖ ab. Die gibt’s für weniger Geld und in Originalfassung.

Radio
Ich höre Radio während aller Mahlzeiten und der Mahlzeitenzubereitung (vulgo: Kochen). Nie höre ich Sender mit Werbung oder Formatradio. Dafür fast immer: Deutschlandradio Kultur, finde ich super, muss ich nie wegschalten. Bayern 2 ist auch nicht schlecht. Alles FM, noch kein Digitalradio oder Webradio. Brauch ich beides eigentlich auch nicht. Wie viele Sender kann man hören?

Hardware
Ich nutze einen uralten iMac für alles was ich tue (schreiben, mailen, surfen, fotos, recorden, mixen, abhören etc.), dazu habe ich ein externes CD/DVD-Laufwerk (internes ist vor Jahren abgeraucht), benutze ich aber nur selten zum einlesen, fast nie zum brennen. Datentransfer über USB-Stick oder gleich Dropbox oder wetransfer. Dazu Drucker, Scanner, diverse Festplatten, das Interface Presonus Firestudio und sehr gute und leider auch teure Kopfhörer von Sennheiser HD 600. Ich besitze übrigens keinen portablen Rechner. Während meiner USA-Reisen habe ich deswegen ausschließlich fremde Rechner benutzt, vorzugsweise in Motel-Lobbys und öffentlichen Bibliotheken. War kein größeres Problem.

4 Gedanken zu “Mein Mediennutzungsverhalten (2017)

  1. Mit Gewinn gelesen.

    „Telefonieren über Festnetz tue ich gerne und lang, aber es ruft fast niemand mehr an.“
    Stimmt, man könnte es abmelden.

    „Zeitung lese ich täglich (ca. 45-60 Min)“. Wie das?
    „Buchlektüre halte ich für unersetzlich, vergleichbare Qualität und intellektuelle Tiefe findet man nicht kostenlos im Netz“
    Glaube ich nicht. Alleine Scinexx und hier Biologie versorgt mich massiv mit hochwertigen Informationen.
    „Ich lese vorzugsweise im Liegen und ca. 1-2h täglich“
    Das kann ich nicht, da schlafe ich ein. 1-2h ist sehr viel.
    TV
    Nutze ich nicht. Zur Unterhaltung Youtube-Videos und jetzt aufgepasst: Track & Field (!!!), Parcours, Boxen, Bodybuilding (!), Naturvideos, Musik, was angeboten wird. Nur keine Spaßvideos irgendwelcher Art
    Smartphone
    Ist schneller als ein PC und brauche ich auch im Urlaub, allein schon wegen google news ! Whatsapp für Kontakte.

    „Ein Musikalbum sollte meiner Meinung nach spätestens 45 Min. zu Ende sein (one sitting), ein Film spätestens nach 100 Min. Längere Laufzeiten halte ich persönlich für eine Zumutung.“
    Finde ich nicht. Je länger eine CD ist, umso besser. Ich kaufe mir kaum EPs und CDs mit 8 Tracks, das ist ein Nogo für mich, ein Ärgernis. Was hälst Du von Altmans 3-Stunden-Film „Short Cuts“? Oder von „Nashville“?
    „Das regionale Programmkino ist weit weg und Sound- und Projektionsqualität unbefriedigend.“
    Mag sein, weiß ich nicht, aber da laufen DIE Filme, die mich interessieren. In grossem Kino war ich zuletzt in „Pina Pausch“.
    CDs
    Eine unsägliche Leidenschaft von mir. Ich kaufe gern körperliche CDs, aber gehe oft auch zu Itunes, Amazon, Bandcamp ect. Ich bin der Meinung, die Künstler verdienen ein Honorar, deshalb zahle ich bewusst dafür. Gerne habe ich ein Spektrum an Outputs von einem Künstler, nicht nur eine einzelne Scheibe.
    Ich recherchiere viel Musik. Habe da einen Ordner „Music“ und „Music sublime“. Ersterer hört beim Scrollen nicht mehr auf, da kann ich eine Pizza dabei essen. Verrückt. Den zweiten habe ich mit dem spassigen Namen nur angelegt, um meinen jetzigen Geschmack mehr in den Griff zu bekommen.

    Radio
    Im Auto nie. Zuhause nur ganz gelegentlich Deutschlandradio, Br2. Famos war mal Harry Lachners einmonatige Sendung hier. Ansonsten bei keramischen Arbeiten meine CDs oder Digitalradio oder nix.

    Ich stelle fest: Wir alle nutzen Medien ÜBER GEBÜHR. Bei Dir summiert sich das wohl auf locker 16 Stunden am Tag, hihi. Was ist das eigentlich für ein Verhalten? Ich habe mal gelernt, daß Input und Output sich die Waage halten sollten. Aktiv und passiv. Schaffen und einschieben. Zwar ist Medienkonsum nicht nur passiv, aber stelle Dein/unser Verhalten mal jemand aus dem Anfang des 20ten Jahrhunderts vor?! Es ist schon KRASS. Wirklich krass! Bitte mal an die Nase fassen!
    Daher: Zusätzliches wie Facebook oder ähnliches nehme ich nicht mehr auf. Stattdessen will ich zunehmend outdoor sein. Mache das ja schon partiell seit 15 Monaten, wie Du weisst. Das wird im Frühjahr noch besser. Im Funsportbereich will ich da einiges tun. Da habe ich Spaß dran.

  2. Denke mal, bzgl. CDs muss ich nochmal korrigieren:

    Nachdem ich zuletzt festgestellt habe, daß ich mit dem Nachhören der neuesten Datenträger nicht mehr nachkomme und das schon lange, habe ich beschlossen, es bei einer CD je neuem Künstler zu belassen. Gerade vorgestern eine Doppel-Cd von „Biosphere“ gehört, experimentelles Ambient, wenn man so will. Ich kann diese Einzel-CD mit einer Karteikarte einstellen, brauche nicht einen grösseren Output von ihm.
    Auch diese würde nämlich nicht verhindern, daß man ihn aus den Augen verliert. Aber da das unausweichlich mit einigen sehr guten Künstlern passiert ist und weiter passieren wird, ist es eh egal.
    Manchmal braucht es den Zufall, wieder auf jemand aufmerksam zu werden, den man mal stark im Fokus hatte.

    • @Gerhard: Geht mir auch so. Oft kann ich mein Interesse an einem Künstler auf ein zentrales Album (oft das Debut) reduzieren. Danach höre ich lieber was neues, auch wenn ich nachfolgende Alben trotzdem weiterhin kaufe (und dann nur mal kurz anhöre).

      Alben die ich über die Jahre immer wieder rauskrame und anhören sind zusammen vielleicht 40-50, mehr nicht. Regelmäßig im Player:
      „King of the Delta Blues Singers“ von Robert Johnson, Best of Hank Williams, Sun Session von Jerry Lee Lewis, Sun Sessions von Elvis Presley, „Chet Baker sings“ von Chet Baker, „Kind of Blue“ von Miles Davis, „Born under a Bad Sign“ von Albert King, „Harvest“ von Neal Young, „Closing Time“ von Tom Waits, „Running on Empty“ von Jackson Browne, „Don’t mess around with Jim“ von Jim Croce, „Tupelo Honey“ von Van Morrison, „Back in Black“ von AC/DC, „Appetite for Destruction“ von Guns’n’Roses, „The In Sound from Way Out“ von Beastie Boys, „Living with the law“ von Chris Whitley, „Continuum“ von John Mayer, „Icky Thump“ von White Stripes.

  3. „Geht mir auch so. Oft kann ich mein Interesse an einem Künstler auf ein zentrales Album (oft das Debut) reduzieren.“
    Nein, meinte es völlig anders rum! Ich habe Interesse am vollen Output, aber nicht die Zeit dafür :-)
    Ich krame nie was altes raus!
    „Kind of Blue“ von Miles Davis ist mir als Einziges geläufig :-)

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