Buch: „Skandal!“ von Andreas Mäckler

Pünktlich zum 40. Bandjubiläum im Jahr 2017 erscheint mit „Skandal!“ eine umfassende und autorisierte Bandbiographie der bayerischen Spider Murphy Gang. Der Autor Andreas Mäckler hatte sich dem biographischen Umfeld bereits einige Jahren zuvor durch die Mitautorenschaft an der (Auto-)Biographie von Franz Trojan („Hauptsache laut!“, 2015), dem ehemaligen Schlagzeuger der Spiders, angenähert. Da war der Schritt zur Bandbiographie offensichtlich logisch und naheliegend. Weite Teile der Recherche waren da vermutlich bereits erledigt.

Mäckler outet sich schon im Vorwort des eigentlichen Textes als großer und treuer Fan der ersten Stunde. Trotzdem gelingt es ihm im weiteren Verlauf sachlich zu bleiben und kritischen Abstand zu bewahren. Seine Betrachtungen basieren auf ausführlichen Gesprächen mit den einzelnen Bandmitgliedern, deren widersprüchliche Aussagen zum Teil auch ausdrücklich gegenübergestellt werden. Des Weiteren hat der Autor sehr viele Zeitungsartikel, Rezensionen und Konzertkritiken gesichtet und zitiert daraus ausgiebig. Schließlich kommen auch Freunde, Weggefährten und langjährigen Fans zu Wort, die mit einem reichen Schatz von sympathischen Anekdoten aufwarten können. Dem Autor gelingt es aus diesen verschiedenen Quellen einen flüssigen und unterhaltsamen Text zu weben. Jedem Gründungsmitglied wird ein eigenes biographisches Kapitel gewidmet, dazwischen wird die musikalische Bandgeschichte von den ersten Anfängen in bayerischen Amiclubs, über die ersten lokale Erfolge in München bis zur großen Karriere im In- und benachbarten Ausland erzählt. Auch die Jahre nach den Höhenflügen in den 1980er Jahren wird nicht ausgespart. Das Buch reicht bis in die unmittelbare Gegenwart und endet mit einem Ausblick auf zwei Jubiläumskonzerte in der Münchner Olympiahalle im Oktober 2017.

Neben der eigentlichen Bandbiographie gelingt Mäckler auch eine kleines Epochenportrait über die bayerische und Münchner Musikszene der 1960er und 1970er Jahre. Politgeschichtliche Brisanz bekommt die Erzählung, wenn detailreich von der DDR-Tournee der Band im Jahr 1983, also noch weit vor Udo Lindenbergs Ausflügen, berichtet wird. Die Spiders hatten ihre Hits in der Blütezeit der Neuen deutschen Welle, zählen sich selbst aber ganz eindeutig nicht dazu. Im Gegensatz zu den jungen und künstlichen Studioprojekten der NDW, verstanden sich die bayerischen Mundart-Rock-and-Roller als erfahrene, bühnenerprobte Liveband. Schattenseite dieser durchaus korrekten Betrachtung war, dass SMG zwar beeindruckende, intensive Konzerte am laufenden Band ablieferte, sich aber in der Studioarbeit nach den ersten, verdienten Hits sehr schwer tat. Hinzu kamen künstlerische Spannungen innerhalb der Band, die von Liederschreiber und Frontmann Günther Sigl zwar ausgeglichen, aber auch auf lange Sicht nicht behoben werden konnten. So kam es dazu, dass die Band mit dem Abebben der NDW auch selbst an Fahrt verlor und weniger Buchungen bekam. Ab 1990 wurden immer seltener Alben veröffentlicht, es fehlten Hits und Fernsehauftritte, man spielte immer öfter und irgendwann hauptsächlich die vormals verpönten Bierzeltkonzerte und widmete sich der gut honorierten, praktischen Pflege der eigenen Musikgeschichte. Von außen betrachtet wirkt es etwas bedauerlich, dass so ein talentierter Liederschreiber wie Sigl nicht mehr aus seinem besonderen Talent gemacht hat. Man hätte ihm gewünscht, dass er in die künstlerische Liga von Fendrich, Ambos, Cornelius, Haindling oder Hubert von Goisern aufsteigt. Das Potential wäre freilich vorhanden gewesen, aber er hätte sich Ende der 1980er von seiner Gang trennen und eigene Wege beschreiten müssen. Pianist Michael Busse hat das genau zum richtigen Zeitpunkt getan. Dazu war Sigl aber vermutlich zu sehr Bandmusiker, verstand sich mehr als Teil eines Musikerkollektivs, weniger als Einzelkünstler. Das ist der eigentliche Skandal.

Fazit: „Skandal!“ ist Bandbiographie und bayerische Popmusikgeschichte. Was Udo Lindenberg für die deutschsprachige Rockmusik geleistet hat, das hat die Spider Murphy Gang für die bayerische Mundartpopmusik getan. Sigl und seine Mitstreiter sind Gründungsväter einer lokal- und regionalpatriotischen, musikalischen Ausdrucksform. Das kann ihnen keiner nehmen. Wie es dazu kam, kann man in diesem unterhaltsamen Buch nachlesen. Ach ja: Herzlichen Glückwunsch zum 40. Geburtstag!

Das Buch enthält viele Farbfotos aus allen Phasen der Bandkarriere, u.a. Albumcover, Posterprints, Pressefotos und Konzertbilder. Inkl. Diskographie und einer Liste aller Filme / DVDs. Das gebundene Buch erscheint im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, hat 313 Seiten und kostet 19,99.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.