Über den US-amerikanischen Ton

„Wenn die Weite der amerikanischen Landschaft, die Unendlichkeit der Weizenfelder, der Asphaltbänder und Überlandleitungen einen Ton hätte, nur einen, in dem in ungeheurer Verdichtung alles zusammengefasst wäre, was diese Weltgegend ausmacht: Dann wäre es ein einzeln angeschlagener Ton auf einer elektrischen Gitarre, unverzerrt, aber ausgehalten, mit langem Hall versehen und einem Tremolo, sodass er klingt, als führe der Wind hindurch und bliese den Ton fort, weiter nach Omaha in Nebraska oder nach Butte in Montana. Von einem großen Alleinsein kündet dieser Ton, und zugleich steckt eine ganze Geschichte der Moderne darin, eine Geschichte von Stahlsaiten, von Tonabnehmern, Röhrenverstärkern und vom Vergnügen, den elektrifizierten Ton mithilfe von weiteren technischen Geräten lebendig werden zu lassen – so wie die Heckflossen amerikanischer Straßenkreuzer auch zwei Momente vereinten, den Versuch, dem Automobil eine individuelle, biomorphe Form zugeben, und das Versprechen einer technisch geprägten Zukunft. (…)“

Norbert Dömling in „Bebop auf Landurlaub“ in SZ Nr. 171, Donnerstag, 27. Juli 2017

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