Tour: Ochsenfurt – Schillingsfürst, Dinkelsbühl – Rothenburg – Würzburg (2018)

Anfang vergangener Woche habe ich zwei kleine Radtouren unternommen um mich nach dem langen Winter auf die neue Saison und eine längere Strecke vorzubereiten. Am Freitag von Würzburg nach Dinkelbühl, am nächsten Tag wieder zurück. Ich fühlte mich allerdings noch nicht ganz fit und entschied daher zur Entlastung die ersten 20km nach Ochsenfurt mit der Regionalbahn zu fahren, dort traf ich bei schönstem Sonnenschein, aber kühler Temperatur auf meinen Mitfahrer A.

Vom Bahnhof ging’s direkt zum Gaubahnradweg, der nach einem leichten Anstieg entlang einer umgebauten ehemaligen Bahnstrecke durch den Ochsenfurter Gau bis nach Bieberehren im Taubertal führt. Sobald wir die Anhöhe erklommen hatten, wehte uns ein unangenehm kalter Gegenwind direkt ins Gesicht. Und das sollte die komplette weitere Fahrt so bleiben. Bis nach Creglingen ging’s ganz gut, dann spürte ich langsam die Kräfte schwinden. Bis Rothenburg fuhr ich auf der Straße im Windschatten meines Tourpartners, dort hatten wir etwas mehr als die Hälfte geschafft und legten bei Kaffee & Kuchen eine kleine Pause ein.

Ich war von dem Gegenwind und der Kälte ziemlich erschöpft und nahezu appetitlos, was sehr ungewöhnlich für mich ist, ging dann aber irgendwie, also weiter, rauf zur Altstadt, von da aus über nahezu freies Feld und starkem Gegenwind weiter nach Diebach. Auf dem weiteren Weg Richtung Schillingsfürst wurde ich immer schwächer und bemerkte kleine Unaufmerksamkeiten beim Fahren, also nahm ich noch den Anstieg zur Wasserscheide, informierte eine Fahrerin und ließ mich zur Sicherheit kurz vor Wörnitz mit dem Auto abholen. Es stand ja noch die Rückfahrt am nächsten Tag an, da wollte ich nichts riskieren, auch wenn es mir etwas schwer fiel kurz vor dem Ziel aufzustecken. Meine Tourbegleitung fuhr die restlichen 25km problemlos alleine zum Ziel ohne irgendwelchen ironischen Kommentare abzulassen (danke). Während ich auf meine Mitfahrgelegenheit an einer Straßenkreuzung außerhalb der Ortschaft wartete, hielten tatsächlich zweimal Autos an um zu fragen, ob alles okay sein und ob man mir helfen könnte. Sehr aufmerksam. Die Menschen sind oft freundlicher als man meinen würde.

Dann kam auch schon meine Mitfahrgelegenheit. Bei dem Versuch mein Fahrrad ins Auto zu laden, brach mir beim Ausbau des Vorderrades der Schnellspanner von der Achse, na toll, war mir aber in dem Augenblick egal. Wollte nur noch rein in die warme Kabine. Ich war vom Warten total ausgekühlt und der Wind blies immer noch gnadenlos über die Felder. In 15 Min. war ich, anders als geplant, aber immerhin heil in Dinkelsbühl angekommen. Nach schneller, wohltuender Dusche, wurde ich zuerst lecker bekocht, dann ging’s zum Ausklang zu einem Jazzkonzert im Schrannenkeller, wo das ortsansässige Jazzforum zweiwöchentlich kostenlose Konzerte organisiert. Es spielte das Paul Brändle Trio, ein bayerischer Gitarrist mit Kontrabass- und Schlagzeugbegleitung. Der nach eigenen Angaben „gefragteste Nachwuchsgitarrist weit und breit“ spielte zwei Sets. Musikalisches Handwerk und Sound waren okay. Stilistik, Stückeauswahl und Präsentationsform jedoch furchtbar langweilig und uninspiriert. Es wurden fast ausschließlich Standards der Vorkriegszeit aus dem klassisch-akademischen Repertoire intoniert, es war keine einzige Überraschung dabei. Ablauf war voraussehbar Thema, Gitarrensolo, Kontrabasssolo, Schlagzeugsolo in Four, Thema. Nix für ungut, aber genau so wird eine ehemals lebendige und relevante Musik in Grund und Boden gespielt bis sie wirklich keinerlei Existenzberechtigung mehr hat, schade drum. Man fragt sich warum sich junge Musiker nicht einfach zeitgemäße Tunes für ihre Improvisationen raussuchen, wenn ihnen schon nicht substanzielles eigenes einfällt. Nach dem ersten Set hätte ich mich sogar über einen abgenudelten Beatles-Song gefreut, nur bitte nicht nochmal „Polkadots & Moonbeams“ oder „Stompin‘ at the Savoy“. Dafür hatte ich immerhin gute Gesellschaft in der Runde um meinen Tisch. Einmal beschwerte sich jemand, weil wir uns während des Basssolos unterhielten. (Wer braucht Basssolos?) Ich dachte mir, wenn die Band uns nicht unterhält, dann machen wir’s halt selber. Da kam mal wieder die böse Dienstleitungsmentalität in mir durch. Aber ist doch wahr: Performer sollten sich schon etwas Mühe geben und versuchen die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu erregen, statt es selbstverständlich vorauszusetzen. Wenn keiner zuhört, ist die Performance vielleicht einfach langweilig, wäre zumindest eine mögliche Erklärung, aber ich schweife ab.

Nach einer erholsamen Nacht gab’s am nächsten Morgen erstmal ein ausgiebiges Frühstück, danach Transfer zum Fahrradhändler, der mir ohne viel Heck-Meck die Vorderachse inkl. Schnellspanner austauschte. Ich stand während der Maßnahme wortlos neben ihm. Zum Schluss meinte er nur trocken: „Respekt, mit dem Bock von Würzburg nach Dinkelsbühl und wieder zurück. Ich muss sie wahrscheinlich nicht darauf aufmerksam machen, dass dieses Fahrrad nicht den Anforderungen der StVO genügt.“ Ich winkte nur ab und wir mussten beide grinsen.
Kurz nach Mittag ging’s wieder Richtung Norden. Es war ein paar Grad wärmer als am Vortag und ein leichter Wind kam abwechselnd von hinten oder von der Seite. Beine fühlten sich auch erstmal gut an. Los ging’s entlang des neues Wörnitzradwegs bis Wörnitz, dort wo ich am Tag zuvor abgebrochen hatte. Von dort etwas weiter westlich über die Wasserscheide und über Diebach nach Rothenburg.
Hier musste ich mich entscheiden, ob ich von Steinach oder Uffenheim den Regionalzug nehme, aber Beine und Bedingungen waren immer noch gut, also kleiner Snack in der Rothenburger Altstadt und von da entlang der Tauber bis nach Creglingen. Ich war gut in der Zeit, obwohl ich ca. alle 90 Min eine kurze Trinkpause eingelegt hatte. Also weiter bis Bieberehren, kurze Regeneration bei Banane und Schokomilch aus dem Supermarkt, dann der kilometerlange Aufstieg bis Aub auf dem Gaubahnradweg. Oben angekommen dann die etwas langweilige, weil immer nahezu kerzengerade Strecke nördlich über den Gau. Ich hatte schon Kraft gelassen, war aber euphorisch und mir halfen die laue Abendsonne und ein warmer Rückenwind. Ca. 18.00 war ich in Ochsenfurt, eine knappe Stunde später entlang des Mains in Würzburg. Daheim warteten ein warmes Bad und ein leckeres Essen auf mich.Bin an den zwei Tagen ca. 200km gefahren. Ich habe gefroren und geschwitzt, war am Boden zerstört und hoch motiviert, habe aufgegeben und durchgezogen. Es war alles dabei und es war sehr intensiv. Danke an Traude und Artur.

7 Gedanken zu “Tour: Ochsenfurt – Schillingsfürst, Dinkelsbühl – Rothenburg – Würzburg (2018)

  1. War ein schöner Ausflug, etwas mehr Trainingskilometer und die Hinfahrt wäre auch möglich gewesen. Aber Respekt, dass du den Rückweg alleine doch noch geschafft hast.
    War eine neue Erfahrung für mich und es war es auch wert.

  2. so nachdem du ja jetzt genügend Härte bewiesen hast, heisst es nun einen weiteren Schritt downward zu machen und wir fahren das zusammen mit dem 70er Jahre Tandem (6Gang) danach wird das ganze im 50th Style ohne Schaltung gemacht – ok?

    • @Sandra. Ich hatte noch ein Selfie nach dem Kaffe & Kuchen in Rothenburg bei der Hinfahrt gemacht, aber ich sah darauf so kreidebleich und fertig aus, dass ich es nicht veröffentlichen wollte. Nach der Rückfahrt hatte ich deutlich mehr Farbe im Gesicht, habe 6h die Sonne von vorne bekommen (und warmen Wind von hinten, Spitzenkombi!).

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