Story: Gebet & Erleuchtung

Einmal in der Woche gebe ich Instrumentalunterricht im Nebenzimmer eines katholischen Gemeindehauses. Das Gebäude steht gegenüber einer kleinen Kirche und ist schon ziemlich alt. Einen eigenen Priester hat die Gemeinde schon lange nicht mehr, einige Wohnungen des großen Hauses wurden vermietet, aber der große Veranstaltungssaal mit Bühne, die volleingerichtete Küche und einige Nebenzimmer werden nur noch sehr, sehr selten benutzt.

Als ich diese Woche kurz vor Unterrichtsbeginn den Raum betrat und den Lichtschalter betätigte passierte gar nichts: Stromausfall. Auch in den benachbarten Zimmern war alles tot. Naja, es war zwar später Nachmittag, aber noch hell genug, dass ich erstmal auch so meine Arbeit beginnen konnte. Nach den ersten Schülern kam ein älterer Herr des Gemeinderats vorbei, der hin und wieder mal nach dem Rechten sieht. Während eines Stundenwechsels machte ich ihn darauf aufmerksam, dass kein Strom mehr fließt und anscheinend die Sicherung rausgeflogen ist. Wir gingen zum Sicherungskasten und sahen sofort, dass eine Sicherung auf Null/Aus stand. Sie ließ sich aber nicht aktivieren, jedes Mal, wenn man den Schalter nach oben klappte, schnalzte er gleich wieder zurück. Wir schalteten die Lichter in den betroffenen Räumen aus, steckten Geräte aus, versuchten es immer wieder, aber es half alles nichts. Da griff der Herr zum Smartphone und telefonierte mit einem kleinen Headset, das er die ganze Zeit im linken Ohr getragen hatte, mit dem Hausmeister. Der würde gleich kommen.

Und tatsächlich stand er keine Minute später tatsächlich vor uns. Ein gutgelaunter mittelalter Mann nordafrikanischer Abstammung grüßte uns beide per Handschlag und lächelte uns an. Wie er so schnell da sein konnte war mir nicht klar, vielleicht war er zufällig in der Nähe gewesen. Der ältere Herr erklärte die Situation und was wir schon alles probiert hatten. Der Hausmeister nickte bedächtig, trat an den Sicherungskasten und legte den betreffenden Schalter um. Wie zuvor bei uns schnalzte der gleich wieder zurück in die Nullstellung. Er versuchte es noch einige Male, dann sagte er: „Da hilft nur noch beten.“

Er schloss die Augen, murmelte kurz etwas vor sich hin, dann legte er erneut den Sicherungsschalter um und jetzt hielt er. Ich schaltete die Lichter in meinem Unterrichtsraum ein, alles gut, läuft! Der Hausmeister lächelte milde, zuckte mit den Schultern und ging wieder ohne ein weiteres Wort. Ich weiß immer noch nicht, ob er mich irgendwie ausgetrickst hat, aber falls ja, war es ein verdammt guter Trick. Es könnte aber auch durchaus sein, dass sein Gebet geholfen hat, ich kann es wirklich nicht sagen.

Ich unterrichtete bis es draußen Dunkel geworden war, dann packte ich meine Sachen und verließ das Gemeindehaus. Danke für die Erleuchtung.

8 Gedanken zu “Story: Gebet & Erleuchtung

  1. ich bete auch manchmal, wenn ich was nicht finden kann und finde es dann meistens, vielleicht onzentriere ich mich ja dann besonders, egal good vibes ob göttlich oder nur menschlich machens immer aus…

  2. Die Frage ist was war auf Null/Aus?
    War es der FI oder ein Sicherungsautomat?
    FI= Fehlerstromschutzschalter
    Sicherungsautomat= Leitungssicherung (gegen Überhitzung oder Kurzschluß)

    Wenn der FI sich nicht mehr einschalten läßt, hilft es alle Sicherungsautomaten auszuschalten. Dann den FI wieder einschalten und alle Sicherungsautomaten nacheinander wieder ein.

  3. das ist mir jetzt zu analytisch! Die wirkliche Frage ist doch: Welcher Gott hat denn nun in der von dir beschriebenen Reihenfolge die Sicherungen aus und wie
    der eingeschaltet Robbi?

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